The Johnny Komet - Ikita - Cover
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The Johnny Komet Ikita


  • Label: Release All Records
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Rock mit Goldkante!

Klasse Bandname, gute Platte. „Es ist einfach Rockmusik“, sangen einst Tocotronic, eine Zeile, die nun für das Promoinfo des Albums „Ikita“ herhalten musste und auch die Songs von The Johnny Komet ganz gut umschreibt. Wobei die Band aus der Lebkuchen- und Rostbratwurst-Stadt Nürnberg jenen einfachen Rock zwar in den Mittelpunkt rückt, aber durchaus auch komplexes Geschichts- und Gegenwartsbewusstsein beweist.

Mit The Great Bertholinis haben The Johnny Komet insofern zu tun, als ihr Frontmann auf den Namen Oszkar Bertholini (Gitarre, Gesang) hört und in jener Formation als vollwertiges Mitglied zählt. Neben ihm sorgen Bassist Michael Arnold (ehemals The Audience) und Schlagzeuger Andreas Conrad für das rockende und beherzte Fundament. Der glitzernde Disco-Dadaist Bird Berlin steuerte Backing Vocals bei, die ebenso geheimnisvoll wie sein Name das Klangbild sowohl aufhellen als auch in mystische Dimensionen zu lenken vermag.

Aber wie eröffnet man eine einfache Rockplatte? - Mit einem Stück namens „Satan“ natürlich, das mit überdrehten, alarmierenden Stromgitarren und Gepolter loslegt und einer lässig twangenden Singstimme. Die Riffs sitzen wie scharf gewetzte Messer und werden zudem ordentlich gegen den Strich gebürstet. „Escape From Here“ klingt nach einer Session zwischen Devo und Pere Ubu in ihrer Anfangsphase („The Modern Dance“), die auf Zeitreise ins Hier und Heute geschickt wird. „Children Of Delight“ könnte die moderne Version eines verschollenen Syd-Barrett-Pink-Floyd-Titels oder eines Outtakes von „Sun Structures“ der Temples sein.

Bester New-Wave-Rock ist „Turn Off Them Vegas Lights“, pumpende Bässe, knackig-zackige E-Gitarren-Riffs und zwischen Licht und Schatten herumgeisternde Singstimmen. „Oh Boy“ und „Give Me All Your Love“ schürfen so lange am Alternative- und College-Rock der 90er-Jahre, bis sie auf Post-Rock-Granit stoßen. „Aphrodite“ kehrt die ruhige, romantische Seite von The Johnny Komet hervor, „Civilization“ dagegen baut auf Wucht, Druck und Space. Der „Vicious Circle“ ist ein eben solcher und „Never Leave Iceland...“ ein stoisches Schreiten zum finalen „... With Broken Hearts“, das - nun ja, gebrochene Herzen und Scherben hinterlässt.

„Ikita“ ist ein lärmender Polterabend, ein sich sträubendes Rock-Biest, einfach gestrickt und doch komplex. Manchmal droht es in seine Einzelteile zu verfallen, um mir nichts dir nichts mit einer griffigen Sequenz alles wieder auf klar Schiff und Rock voraus zu stellen. Dabei streifen sie mit Selbstverständlichkeit Psychedelik und Space, lassen Stimmen wie lose Fäden durchs Klangbild geistern. Ein echter Rock-Trip ohne Firlefanz aber mit Goldkante!

Anspieltipps:

  • Satan
  • Turn Off Them Vegas Lights
  • Civilization
  • … With Broken Hearts

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