The Lancaster Orchestra - The Lancaster Orchestra - Cover
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The Lancaster Orchestra The Lancaster Orchestra


  • Label: Stargazer Records/Broken Silence
  • Laufzeit: 36 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Sanft-poetische und exzellente Songwriter-Kunst aus Schweden!

Der Interpreten-Name führt auf die falsche Fährte, denn hinter The Lancaster Orchestra steckt der Schwede Carl Mathson, der unter diesem Pseudonym bereits zwei Alben eingespielt hat. Diese ernteten überaus positive Reaktionen und führten The Lancaster Orchestra im Jahr 2007 als einzigen europäischen Act zum Americana Association’s Festival in Nashville, Tennessee. 2010 war dagegen ein übles Jahr für Mathson, er kam beinahe bei einem Autounfall ums Leben. Nach der körperlichen Genesung folgte die seelische, die er mit Hilfe des Songschreibens in Angriff genommen hat. Dabei war er sich nicht sicher, ob diese neuen Kompositionen auch Sinn als Album ergeben würden.

Es hat Sinn ergeben, denn nun liegt die selbstbetitelte Langspielplatte vor. Dabei spielen die Arrangements eine wesentliche Rolle, wozu Mathson selbst erklärt: „Am Ende stellte sich aber heraus, dass es mir nicht liegt über ein fixes Line-up nachzudenken, in dem jeder Musiker einen festen Part hat. Ich ziehe es vor, einen Song zu schreiben um dann herauszufinden, in welchem Arrangement dieser am besten funktioniert.“

Am meisten überzeugen jene Titel, die mit ebenso weitschweifigen wie kunstfertigen Streicherarrangements versehen wurden. „Heart Of Stone“, „Never Be Alone“ und „Tearing Us Apart“ sind von zerbrechlicher Schönheit, strahlen mit poetisch gesetzten Streicherarrangements. Dabei spannt The Lancaster Orchestra weitreichende Melodiebögen, die keinen gängigen Pop-Schemata folgen, sondern mit Bedacht und zurückgenommen inszeniert werden. Dafür stehen auch jene Songs, bei denen Gesang und akustische Gitarre im Vordergrund stehen, „Better Each Passing Day“, „Carry On“ und „It’s Over“ spannen den Bogen vom Singer/Songwriter-Folk der 60er-/70er-Jahre (Neil Young, Nick Drake) bis zu aktuellen Vertretern wie z.B. Jacob Bellens, Christian Kjellvander oder Ron Sexsmith, mit Letzterem teilt Mathson eine ähnliche Form der Phrasierung.

Folk-Pop mit kräftiger Bandunterstützung erfahren Titel wie „First Love“, „Left Behind“ und „It’s Alright, Right Now“, bei denen einem Greenshape in den Sinn kommt. Allen Stücken gemein sind die wunderbare Stimme von Carl Mathson sowie die melancholische Atmosphäre, die das Album zusammenhalten, es geradezu wie aus einem Guss klingen lassen. Wenn dann zum Finale „This Time I’m Coming Down“ mit weich perlenden Piano- und Akustikgitarren-Figuren erklingt, hat uns der Schwede endgültig um den Finger gewickelt. Etwas Zeit sollte der Platte schon gewidmet werden, sie will vor allem in konzentriert-entspannter Stimmung gehört werden, um schließlich nach und nach ihren wundersamen Zauber entfalten zu können. „The Lancaster Orchestra“ steht für sanfte Poesie und wahrhaftige Schönheit. Ein kleines Meisterwerk!

Anspieltipps:

  • Better Each Passing Day
  • Heart Of Stone
  • Never Be Alone
  • Tearing Us Apart
  • This Time I’m Coming Down

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