Ólafur Arnalds - Kiasmos - Cover
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Ólafur Arnalds Kiasmos


  • Label: Erased Tapes/INDIGO
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Wortspiel sei verziehen, doch das skandinavische Electro-Doppel Kiasmos bleibt auf dem selbst betitelten Album eiskalt.

Wonne und Sonnenschein sind andere Musiker. Ólafur Arnalds aus Island und sein Kollege Janus Rasmussen von den Färöer-Inseln machen diese spezifische Art von Sound, die damals wohl auch Thom Yorke dazu verleiteten, temporär „The Eraser“ zu werden. „Kiasmos“ ist kein Eissturm an elektronischer Musik geworden, doch den Interpreten Minimalismus anzudichten, scheint ebenso weit hergeholt. Wenn „Bent“ und „Burnt“ zum Abschluss einer sphärischen Klangreise mit gezielten und kontrollierten Beats überragen, dann klingt das Gehörte voll und reif und für Minimal-Ohren sicherlich überladen. Wer sich jedoch nicht an Schubladen halten möchte, darf mit „Kiasmos“ eine sehr gelungene Electro-Kollaboration bestaunen.

Vielleicht liegt es an der abgeschnittenen Natur der Heimatorte der beiden Künstler, dass sie den kalten Klang in „Dragged“ und Co. so wunderbar beherrschen. Arnalds lebt seine Komponisten-Ader gut und gerne aus, wenn er den schwebenden Arrangements Rasmussens mit Streichern und besonders dem Piano zu gewollter Schwere verhilft. Selbst wenn das Album wie in „Thrown“ sehr eintönig zu arbeiten scheint, lassen sich über die Spielzeit von neun Minuten so viele verschiedenen Dynamiken im Hintergrund ausmachen, dass es eine Freude ist, die Zeit in diesem Strom aus Musik zu verlieren.

Im Vorfeld des Albums war besonders „Looped“ einigen Zeitschriften und Kritikern ein Begriff. Als klasse treibender Track wurde es als Vorreiter einer gelungenen Zusammenarbeit gefeiert. Hätte sich das Duo jedoch auf diese Herangehensweise limitiert, dann wäre aus „Kiasmos“ nicht diese angenehme Überraschung geworden. Sicherlich sind „Looped“ und das stilistisch sehr ähnliche „Swayed“ die Titel, die immer problemlos in Clubs aufgelegt werden können, doch gerade die breite Palette dieses Albums bringt diese Zusammenarbeit erst zur vollen Blüte. Anstatt nur auf die schnellen, wenn auch melancholischen Töne in „Looped“ zu setzen, gibt es eben auch Trip-Hop-Ansätze („Held“), die düsteren Tracks zum Ende und die orchestral angehauchten Titel, die hierzulande an die besten Momente von Polarkreis 18 erinnern. „Kiasmos“ ist wahrscheinlich DER (Film-)Soundtrack für den Winter 2014.

Anspieltipps:

  • Dragged
  • Burnt
  • Looped

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