Pharmakon - Bestial Burden - Cover
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Pharmakon Bestial Burden


  • Label: Sacred Bones/CARGO
  • Laufzeit: 29 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Leiden des Fleisches, Schlachtung und Verwesung als brachiales Konzept.

Mit „Abandon“ brachte Pharmakon Mitte letzten Jahres eines der interessantesten Albumcover 2013 heraus. Was viele zunächst für eine erotische Aufnahme zweier weiblicher Oberschenkel, von Blütenstaub bedeckt, hielten, wurde auf den zweiten Blick viel eher dem Noise- und Schrei-Gehalt des Albums gerecht. Bei dem Blütenstaub handelte es sich eigentlich um Maden, die sich um den Schoß der Frau sammelten. Es ist genau diese verstörende Mischung von Verwesung und Bio- bzw. Nekrophilie, die Margaret Chardiet alias Pharmakon auch auf „Bestial Burden“ weiter zeichnet.

Es sind quasi Urängste, mit denen sich Chardiet beschäftigt und die auf „Primitive Struggle“ kaum plakativer hätten verarbeitet werden können. Ein Track in dessen Hintergrund Kriegstrommeln auf einen vermeintlichen Höhepunkt und schließlich den Folgetrack hinarbeiten, während der Vordergrund die vollen zwei Minuten von Würge- und Kotzgeräuschen dominiert wird. „Autoimmune“ hingegen klingt, als hätte sich Chardiet nachts neben die surrende Halogen-Lampe einer Schlachterei gestellt, um den Track aufzunehmen. Das Surren wird begleitet von elektrischen Peitschen, immer noch Kriegstrommeln und Chardiets panischem Geschrei.

Schon der Auftakt von „Bestial Burden“ dreht sich um die Leiden des Fleisches. Das Cover zeigt anhand von Schlachterzeugnissen, fast anatomisch auf der nackten Brust einer Frau angeordnet, wieder dieselben Muster wie schon das Cover von „Abandon“. Der Opener „Vacuum“ ist eine anderthalbminütige Collage von Atemgeräuschen, schwerem Luftholen, die zur Collage verdichtet Panik illustrieren.

Es fällt schwer, das verschrobene Experiment, das Margaret Chardiet seit „Abandon“ vollzieht, zu mögen. Die tiefen, unveränderlichen Drone-Sounds, die kreischenden Störfrequenzen und Chardiets geschriene Texte ergeben keine Musik, die man sich im gemütlichen Sessel anhören möchte. Genau genommen fällt es sowieso schwer, sich eine Rezeptionssituation vorzustellen, in der man sich in Ruhe dem Album hingibt. Sicherlich wird es aber auch nicht Chardiets Intention gewesen sein, ein solches Werk zu schaffen. Man nenne es Kunst, der es allerdings an der Originalität und Subtilität fehlt, die „Abandon“ 2013 demonstriert hat.

Anspieltipps:

  • Body Betrays Itself
  • Bestial Burden

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