Wanda - Amore - Cover
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Wanda Amore


  • Label: Problembär Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Schnaps, Amore & Rock’n’Roll aus Austria. Verdammt guter Ösi-Pop-Rock with a little funky Falco Disco Schmäh!

Österreich schlägt zurück! Da hatten wir vor gar nicht allzu langer Zeit das Doppelpack „Bäume“ und „Träume“ von Nino Ernst Mandl aka Der Nino Aus Wien im Angebot und dürfen nun die Austria-Band Wanda unter die Lupe nehmen. Und da gibt es einiges zu entdecken. Zunächst mal Sänger und Liederschreiber Michael Marco Fitzthum, der sich via Booklet als Marco Michael Wanda ausweist. Des Weiteren stoßen wir auf Manuel Christoph Poppe (Gitarre, Gesang), Christian Hummer (Tasteninstrumente, Gesang), Ray Weber (Bass, Gesang) und Lukas Hasitschka (Schlagzeug), sozusagen die klassische Rock- und Pop-Besetzung.

Weniger klassisch kommt der rasante Opener „Bologna“ daher, ein waschechter Hit, der wohl kaum die deutschsprachigen Charts stürmen, aber zumindest in Indie-Kreisen hohe Wertschätzung erfahren wird. „Bologna“ hat eine prima Melodie- und Rhythmusstruktur, spielt mit Italo-Pop-Versatzstücken und hat einen expliziten Text: „Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen/obwohl ich gerne würde aber ich trau mich nicht.“ Eine echte Mitsinghymne, die wir im deutschsprachigen Raum in dieser außerordentlichen Qualität zuletzt auf „Rein In Die Mystik“ von Die Autos genießen durften.

Auf „Amore“ sind einige jener infizierenden Titel zu finden, die auf Konzerten sicherlich mitgegrölt werden: „es ist egal ob die Jelinek in der Zeitung steht oder im Regal/so lange ich bei dir bin ist’s egal“, heißt es im Stück „Jelinek“, eine Liebeserklärung, die schließlich in den Zeilen „AMORE so lange ich bei dir bin ist es AMORE/so lange ich bei dir bin ist’s egal“ gipfelt. Dazu schrammeln die Indie-Rock-Gitarren als wär’s das erste oder letzte Mal. Und es geht noch leidenschaftlich-verzweifelter, „Auseinandergehen ist schwer“ (auch als Single veröffentlicht) ist hierfür das beste Beispiel. Ebenfalls als Single wurde „Schickt mir die Post“ herausgegeben, mit beschwingt-fröhlicher, gar gepfiffener Melodie, die im Text den Kontrast erfährt: „Schickt mir die Post schon ins Spital/was sein muss muss auch wirklich sein/besucht die Mama wenn sie schläft/schlagt ihr für mich den Schädel ein“.

Auf „Kairo Downtown“ lassen sie Falco anklingen, funky Disco Schmäh at its best. Dagegen ist „Stehengelassene Weinflaschen“ eine Midtempo-Ballade mit Orgelschlangen, Gitarrenschleifen und die vor Leidenschaft schier ins Nichts kippende Stimme von Marco Michael Wanda. Eine inbrünstige Stimme hat der, die im deutschsprachigen Raum Seltenheit hat. Dazu jene Songtexte, die imstande sind, kurze Schockmomente zu setzen, die aber Vulgarität und Brutalität geschickt umschiffen. Im Kontext des jeweiligen Liedes sind sie geradezu doppeldeutig: „ich sauf keinen Schnaps ich sauf einen Pistolenlauf/Baby komm nicht zu spät nach Haus“ (aus „Bleib wo du warst“) balanciert wieder auf des Messers Schneide der Verzweiflung und Leidenschaft.

„Ich will Schnaps“ steckt voller Vorfreude aufs Saufen, aber auch der anschließende Kater schleicht bereits um die Ecke und fährt seine Krallen aus. Funky Falco Disco Schmäh zum Zweiten wird mit „Easy Baby“ als letzter Song präsentiert und er endet mit der Zeile: „oh mein Gott ist das schön“ und ja es ist schön, dieses „Amore“ von Wanda. Eine wilde Schönheit aus schwarzem österreichischem Humor, Verzweiflung, Todessehnsucht und fies-traurigen Texten, die sich letztlich zu wahren Pophymnen aufschwingen. Die sollen sich mal alle warm anziehen, die deutschsprachigen Interpreten, Wanda haben die Latte verdammt hochgelegt! Denn: „mein Glied unterwirft sich der Diktatur deines Mundes Baby“, heißt es bei „Luzia“. Schnaps, Sex und Rock’n’Roll!

Anspieltipps:

  • Bologna
  • Jelinek
  • Auseinandergehen ist schwer
  • Stehengelassene Weinflaschen
  • Bleib wo du warst
  • Ich will Schnaps

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