Elvis Dog - Heart Piranhas - Cover
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Elvis Dog Heart Piranhas


  • Label: Out Of My Mind/Broken Silence
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Manchmal ist Ralf Grimm tatsächlich so cool wie Humphrey Bogart, aber leider nicht so beständig in seinen Leistungen.

Ralf Grimm hat es mit seinem Namen nicht leicht. Im Alltag muss er sich den Nachnamen mit den weltberühmten Geschichtenerzählern teilen. Dass er unter seinem Künstlernamen Elvis Dog nicht ganz oben in Suchlisten auftaucht, hat er sich allerdings selbst auferlegt. Vergleiche zum King of Rock fallen sowieso weg, da der authentische Songwriter ein Troubadour der Neuzeit sein möchte. So hundertprozentig sicher scheint sich Ralf Grimm jedoch nicht zu sein, wie er seine Botschaften verpacken möchte.

Der Klang stimmt schon mal. Die Lieder teilen sich einen sehr organischen Sound, der die raue, aber gefühlvoll arbeitende Stimme untermalt. Am Lagerfeuer funktioniert dieser Sound wie in der Lounge und in lokalen Cafés und Bars. Es ist ein Klang für kleine Räume und Runden. Herausragende Arrangements suchen Hörer zwar vergebens und herzergreifende Momente bleiben ebenfalls aus, doch das Gerüst für angenehme Minuten steht. Was hingegen keinen festen Fuß findet, ist der Gesang und wie Grimm seine Geschichten erzählt.

Wer glaubt, dass „Humphrey Bogart“ mit seinen oft gequetschten Silben und ohne viele Reime ein großes Anzeichen für den Stil des Albums darstellt, stellt voreilige Schlüsse schnell fest. In „Hör Nie Auf Dein Herz“ reimt sich plötzlich alles, die sonstige Wärme des Klanges wird im gewollt dunkler angehauchten „Sedimentologie“ abgestellt und dann wird Ina Deter in „Alles Was Ich Wollte“ kanalisiert. „Heart Piranhas“ ist ein unbeständiges Album und versucht die Hörer mit verschiedenen Idee zu überladen. Leider verpasst es der Sänger dabei komplett, seiner Musik seinen persönlichen Stempel aufzudrücken.

Englischsprachige Ausflüge in „Dissident Of Love“ und „Kein Freak Out, Heute“ sowie der plötzliche Electronica-Besuch in „Allein Again“ verdeutlichen, wie auf diesem Album ein fliegender Wechsel herrscht. Das muss keine Schwäche sein, doch hinter der Abwechslung fehlt der Grund, warum ausgerechnet Ralf Grimm gespielt werden sollte. Ist er traurig betrübt oder optimistisch clever? Wahrscheinlich will er so facettenreich wie das Leben sein, doch in dieser Form wirkt es mehr wie viele Einzelteile, die nicht recht zusammenpassen wollen.

Anspieltipps:

  • Kein Freak Out, Heute
  • Humphrey Bogart
  • Hör Nie Auf Dein Herz

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