Tempesta - Roller Coaster - Cover
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Tempesta Roller Coaster


  • Label: Bob Media/SOULFOOD
  • Laufzeit: 50 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Schweizer Band beweist mit einer halbherzigen Platte unfreiwillig, was an amerikanischem Radio-Rock alles verkehrt ist.

Machen wir uns doch nichts vor. Die deutsche Radio-Landschaft ist nicht das einzige Kreativarmutsviertel im globalen Musikbetrieb. Frankreich zwingt sich unter löblichen Idealen zu viel Mittelmaß, von den 365 jährlichen „next big things“ in Großbritannien bleibt auch meist nicht mehr als eine Hand voll übrig und die USA haben den weinerlichen (Lokal-)Weltschmerz-Country erfunden. Jeder hat seinen eigenen Dreck unter den Teppich zu kehren. Nur ist der Teppich leider allzu oft das Radio geworden, das mit möglichst niedriger Aufregung unaufdringliche Fahrstuhlmusik in den Vordergrund drängt und von einem Trend zum nächsten springt.

Im Falle von Tempestas neuer Scheibe „Roller Coaster“ wäre so mancher Hörer bestimmt dankbar, wenn sich Künstler von gewissen Richtungen losreißen könnten und endlich neue Gefilde ergründeten. Doch die Eidgenossen geben sich auf ihrem neuen Album wirklich alle Mühe, so aalglatt wie möglich durchs Ziel zu rutschen, sodass sich auch ja niemand an ihre Kompositionen erinnert. Classic-Rock-Balladen schütteln Künstler nicht einfach so aus dem Ärmel. Und viel seltener nehmen solche Hymnen den Löwenanteil eines Albums ein. Das hat gute Gründe. Denn Rock kommt auch immer über die Instrumente und was für ein Feuerwerk abgebrannt wird. Tempesta feuern auf „Roller Coaster“ jedoch elf Mal das gleiche Starter-Kit ab, bevor sie mit einer fürchterlichen Country-Nummer das Tor zum guten Geschmack schließen.

Bis zu diesem verheerenden Moment namens „Cry For Help“ drücken Hörer gerne ein bis zwei Augen (oder Ohren) zu. Natürlich sind „Roller Coaster“ und „Feels Like Yesterday“ genau jene Art von Song, die uns in einem Werbespot vorgaukelt, dass genau zu solcher Musik die größten Partys abgehen sollen. Das tun sie aber nicht. Man wippt vielleicht vorsichtig mit dem Fuß zu den eingängigen, aber letztlich uninspirierten Tönen, die das letzte Mal vor der Jahrtausendwende spannend waren. Verachten sollte solche Musik zwar niemand, doch die Ergebnisse sind ähnlich relevant und emotional einprägsam wie die Ware von Tokio Hotel. Nur anstatt sich Trends anzubiedern, halten die Schweizer an alten und überholten Mitteln fest, ohne die nötige Härte oder auch nur die richtigen Melodien zu finden, um sich zumindest so etwas Ähnliches wie Relevanz zu verleihen.

Anspieltipps:

  • Swallow The Saint
  • Heartache
  • Better Being You

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