J Moon - Melt - Cover
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J Moon Melt


  • Label: Bosworth Records
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein modernes Klanggewand für alte Pop-Strukturen ist nicht immer genug für den großen Wurf.

Sexy, verwegen und modern verkleidet die junge J Moon die Arrangements ihres Debütalbums „Melt“. Rock der 80er-Jahre versteckt sich an der einen Stelle, um kurz darauf trendgerecht abgemischte Retro-Klänge aus vorigen Jahrzehnten zu preisen (u.a. „Poison“ und „When I Hear You Talk You Make Me Wanna Move To The Jungle“). Der Sound auf „Melt“ versucht sich dabei, wie in der Interlude „Be Mine“ kurz und prägnant dargestellt, durch psychedelische Spielereien interessanter zu machen. Sobald diese Ton-Trickspiele abbrechen, zeigt sich nämlich schnell das wahre Gesicht einer guten Sängerin, die jedoch in Sachen Songwriting nicht über ein gesundes Mittelmaß hinauskommt.

„Hidden Garden“ ist der verräterische Song, der noch Vorzeigetitel der gleichnamigen EP der Sängerin sein sollte. Mit Akustikgitarre, ganz wenigen Drums und ein paar dezenten, den Raumklang erweiternden Effekten zeigt sich die Stimme der jungen Frau nahezu nackt. Und unweigerlich ist die einzig mögliche positive Resonanz, dass diese volle, klare und doch nicht platte Stimme der Star der Show ist. Auf Dauer ist eine verführerische Stimme mit glanzvoller Produktion allerdings nicht genug, wenn die Lieder selbst nicht zum Verweilen einladen. Anstatt dass wie in „Poison“ auch der Klang der Lieder Hörergehörgänge lockt, ist es allein J Moons Stimme zu verdanken, dass das Interesse nicht vollständig abreißt.

Den Großteil des Albums muss sich die Stimme gegen sehr zurückhaltenden Pop durchsetzen. Diese Ansätze verpassen dabei die progressiven Töne, wie auch die einprägsamen Melodien. Von beidem deutet sich immer nur Potenzial an, welches letztlich aber nicht genutzt wird. So bleiben verträumte Titel wie „Among The Walls“ der Höhepunkt einer Scheibe, die hinter der blitzblanken Fassade vergisst, den Star der Show in Szene zu setzen. „Melt“ wird weder beim fokussierten Hören besser, noch werden sich ein paar Geheimtipps für die Indie-Szene herauskristallisieren. Besonders wenn in „Blue Sand“ J Moons Stimme endgültig Samples den Weg freimachen muss, müssen sich Hörer eingestehen, dass die Vision dieser Kunst entweder äußerst verwaschen oder schlichtweg nur fragmentarisch vorhanden ist.

Anspieltipps:

  • Among The Walls
  • Poison
  • The Window

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