The Northern Lies - Midnight Medicine - Cover
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The Northern Lies Midnight Medicine


  • Label: Tonetoaster/ALIVE
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Tromsö ist ein dunkler und negativer Ort? Von wegen.

Mehr als 300 Kilometer nördlich des Polarkreises kann einen das Leben schon mal mit all seinen Unwegsamkeiten konfrontieren. Eiskalte Winde, kein Tageslicht über Wochen und Monate hinweg, nichts als Eis und Schnee. Hier, inmitten dieser Einöde, liegt Tromsö, die Heimat des norwegischen Folk-Pop-Trios Northern Lies, das mit seinen positiven und beschwingten Country-Songs so gar nicht nach düsterer Depression klingen mag.

Die Vocals teilen sich Henry Johnsen und Anne Nymo, beide mit einer derartigen natürlichen Wärme in der Stimme gesegnet, dass beim Hörer kein Gedanke an den unwirtlichen Norden Norwegens aufkommen will. Getragen werden die meist ruhigen Songs von Akustik- oder Pedal-Steel-Gitarre, Drums runden ein vergleichsweise unspektakuläres Instrumenten-Portfolio ab. Es sind die Kleinigkeiten, die „Midnight Medicine“ zu einem spannenden Debütalbum machen.

Der Titeltrack eröffnet die Platte stark und im Refrain im Vergleich zum Rest des Albums ungewohnt theatralisch. Schnulzige Liebeslyrik sollte dem Song eigentlich den Garaus machen; das Gegenteil ist der Fall. „Midnight Medicine“ gerät - auch durch die einsetzende Gitarre des Dritten im Bunde, Harvard Stangnes - zum emotionalen und durchaus eingängigen Popsong. Auch „Bring Me Back“ geht ins Ohr, nicht zuletzt durch die platte aber doch irgendwie wunderbare Simpelmelodie im Intro und den leidenschaftlichen zweistimmigen Gesang, der zumindest bezüglich seines männliches Parts an eine talentierte Version von Samu Haber (Sunrise Avenue) erinnert.

Trotz der wenig umfangreichen Instrumentenauswahl ist „Midnight Medicine“ keinesfalls eintönig geraten. „Go Out With Me Tonight“ klingt nach den späten White Stripes, „Long Long Way“ ist eine zurückgenommene Klavierballade geworden und der Schlusstrack mit seinen verfremdeten Vocals lässt vermuten, die Band habe zum Finale ihres ersten Albums noch einmal ausdrücklich klarstellen wollen, dass ihre Heimat gar nicht so düster und trostlos ist, wie man es hierzulande vielleicht glauben mag.

Anspieltipps:

  • Midnight Medicine
  • Bring Me Back
  • Go Out With Me Tonight

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