Warm Graves - Ships Will Come - Cover
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Warm Graves Ships Will Come


  • Label: This Charming Man Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit angezogener Handbremse hindern sich Warm Graves selbst daran, ein richtig starkes Album feiern zu dürfen.

Warm Graves haben einen echten Plan davon, was sie machen wollen. So etwas muss erwähnt werden, bevor einige Leser sich an Zahlen aufhängen wollen. Das Leipziger Trio hat eine Audio-Vision, die kalt und bedrohlich und doch irgendwie optimistisch klingt. Das ist aber auch der alleinige Ton des Albums, der dafür sorgt, dass „Ships Will Come“ einer gewaltigen Interlude gleicht. Das Ende hat etwas von einem schelmischen „wird fortgesetzt“, wenn die Hörer zum Abschluss zwar mit dem Stil der Band vertraut sind, aber nicht wissen, wohin die Band mit diesem Stil noch möchte.

Gleich „Ravachol“ stellt dieses Dilemma hervorragend zur Schau. Mit Orgel und hallenden Chören im Hintergrund lässt sich die Musik von Drums antreiben. Der Sound stimmt, doch in den knapp fünf Minuten erlaubt sich der Opener nicht mehr als eine Eröffnung zu sein. Was wohl passieren mag, wenn die Band neue Strukturen im Gesang entfesselt und aus den treibenden, aber linearen Formen ihrer Musik springt? Wir werden es wohl nie erfahren. Wenn „Punumbra“ mit genau der gleichen Einstellung in knapp neun Minuten zwar abermals einen faszinierenden Klang erschafft, der aber einfach nicht genug ausgenutzt wird, dann lacht ein Auge, während das andere weint.

Wie bei einem Januskopf bieten sich jeweils zwei Perspektiven für die Musik der Band an. Von einer Seite betrachtet ist der Leipziger Band aus dem Stand ein sehr eigener und wohlgeformter Sound gelungen. Allerdings zeigt sich aus einer anderen Perspektive, dass der feste Stil selbst nur ein Gerüst ist, welches nicht zur Genüge ausgenutzt wird. Die hallenden Gesänge weit im Hintergrund können den Hörer nicht berühren, sondern wirken eher als Teil des Gesamtklangs. Das wäre nicht schlimm, wenn es dieser Art von Gesang möglich wäre, verschiedene emotionale Facetten zu wecken. Das ist leider nicht der Fall.

Wie mit angezogener Handbremse gehen Songs wie der Titeltrack an Hörern vorbei und die jeweils vielversprechend beginnenden Lieder verlieren sich in einem Strom. Dieser Strom ist zwar leicht zugänglich und lässt sich problemlos eine eigene Richtung bescheinigen, doch das Gefühl, dass so viel mehr dahinter hätte stecken können bleibt. Nichtsdestotrotz kann und sollte man als Hörer sich und die Band ermutigen, weiter in die eingeschlagene Richtung zu gehen. Die gute Grundausrichtung der Scheibe zeigt, dass an der richtigen Stelle gebohrt wurde. Jetzt liegt es an der künstlerischen Schaffenskraft des Trios, auch tief genug zu graben oder zumindest mit dem eigenen Grundstil zu experimentieren.

Anspieltipps:

  • Ravachol
  • Cold Women
  • Best Ezra

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