Nina Attal - Wha - Cover
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Nina Attal Wha


  • Label: Skip Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Vom Blues zum Funk und Soul. Die talentierte Französin Nina Attal sucht noch die eigene Identität.

Man sollte ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen, rät ein Sprichwort. Das gilt grundsätzlich auch für CD-Cover, auch wenn man häufig anhand der Darstellung in die richtige Richtung geleitet wird. Würde man die zu erwartende Musik bei Nina Attals Cover von „Wha“ nach der Abbildung beurteilen, dürfte man sie sich wegen der billigen, aufgesetzten Pose eigentlich gar nicht anhören.

Die junge Französin begann schon im Alter von 12 Jahren mit dem Gitarre spielen und Singen. Mit 15 hatte sie es sich in den Kopf gesetzt, Blues-Musikerin zu werden. Mit 17 Jahren gewann sie dann schon fünf Preise beim Nachwuchswettbewerb des Blues Sur Seine-Festivals in Paris. Das versetzte ihrer Karriere einen gewaltigen Schub. Danach spielte sie sogar auf renommierten Bühnen wie beim Montreal- und Montreux-Jazz-Festival.

Im Laufe der Zeit hatte sich Nina dann vom Blues entfernt und eiferte anderen Idolen als B.B. King nach. Auf „Wha“ zeigt sie sich vornehmlich dem Funk zugeneigt, mit Abstechern zum Rhythm & Blues, Soul und Pop. Ihre neuen Helden heißen entsprechend Prince, Stevie Wonder, Lenny Kravitz, Michael Jackson und Sharon Jones. 2013 spielte sie den Support für die Disco-Funk-Band Chic um Nile Rogers, der erst neulich wieder aufgrund seines Engagements bei Daft Punk Schlagzeilen schrieb. Damals händigte sie dem Chic-Bassisten Jerry Barnes Demo-Aufnahmen von sich aus, was dazu führte, dass dieser sie nach New York einlud und die aktuellen Aufnahmen begleitete.

Nina legt ihre gesamte stimmliche Wucht, die eine 22-Jährige eben aufbringen kann, in die Songs. Mit dieser Vorgehensweise erinnert sie tatsächlich an den ganz jungen Michael Jackson („Put Them In Hell“), denn sie geht gesanglich oft ungestüm an ihre Grenzen. Sie ließ sich auch ein Tattoo mit dem Schriftzug „Groove“ stechen, dem sie sich verpflichtet fühlt. Am besten kommt ihre Begeisterung bei den druckvollen, leidenschaftlichen Nummern zur Geltung („Stop The Race“, „Bring Me Back That Love“, „Everything You Say“). Hier spielt sie ihre ganze Unbekümmertheit aus und setzt voll auf den Spassfaktor.

Nina versucht auch zu diversifizieren. Mit „Good Guy“ wildert sie im Soul-Pop-Gefilde von Norah Jones und bei „Ain`t Gone“ tastet sie sich zaghaft an den Stil von Aretha Franklin ran, kann der großen Dame des Soul aber (noch nicht) das Wasser reichen. Einen leichten Southern-Soul-Einfluss hört man bei „Back From The Hole“, der leider zu zaghaft umgesetzt wird. Für wahrlich zu Herzen gehende Balladen fehlt ihr noch die nötige Abgeklärtheit. Auf diesem Gebiet agiert sie zwar auch engagiert, gesanglich ist sie aber entweder zu austauschbar („Somebody To Love“) oder zu bemüht („People“). „The Jam (Interlude)“ ist ein kurzes, instrumentales Zwischenspiel, bei dem die Begleitmusiker zeigen dürfen, was sie drauf haben.

Die Party-Nummern wirken etwas blutleer und laufen sich schnell tot („Put Them In Hell“, „Know Your Name“). Sie sind modernem Dance-Pop näher als den erdigen Funk-Aufnahmen der 70er-Jahre, wie von Graham Central Station, die auch hörbar zu den Favoriten von Nina Attal gehören. Auch Co-Produzent Jerry Barnes hat Spuren bei „Baby (Right Now)“ hinterlassen. Die Gitarrenlinien und das Tempo erinnern stark an Chic.

Nina Attal ist noch auf der Suche nach einer persönlichen, unverkennbaren Note. Sie probiert einige Wege aus und bedient sich dabei aus dem Fundus ihrer Vorbilder. Deshalb entsteht auch manchmal der Eindruck, dass das Format nur aufgesetzt und nicht echt empfunden ist. Trotzdem gibt es einige gute Ansätze, die zu einem besseren Ergebnis führen können, wenn Nina Attal ihre Persönlichkeit voll entfaltet hat. Aber das unvorteilhafte Cover-Foto hat sie wirklich nicht verdient.

Anspieltipps:

  • Stop The Race
  • Bring Me Back That Love
  • Everything You Say
  • Good Guy

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