Elliott Brood - Work & Love - Cover
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Elliott Brood Work & Love


  • Label: Paper Bag/Rough Ttrade
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Es wird Zeit, dass eines von Kanadas bestgehüteten Roots-Rock-Geheimnissen endlich einer breiteren Hörerschaft bekannt gemacht wird. Hiermit sind Elliott Brood zur Entdeckung freigegeben.

Das kanadische Trio Elliott Brood, das sich nach einem Charakter aus dem Baseball-Film „The Natural“ benannt hat, zieht auf seinem neuen Album Bilanz. Die Musiker sind seit ihren Anfängen im Jahr 2002 merklich gereift, haben jetzt Familie und blicken zurück auf ihre Jugenderlebnisse. Außerdem reflektieren sie ihre aktuelle Lebenssituation. Gleichzeitig gehen sie der Frage nach, was einen verantwortungsvollen Erwachsenen ausmacht. Arbeit und Liebe macht einen Mann aus dir. Das ist ihr Motto und diese Erkenntnis hat sich auch auf ihre Musik ausgewirkt. Die Vorbilder Neil Young, The Band und The Flying Burrito Brothers grüßen nur noch aus der Ferne als gute Freunde und solides Fundament. Die Musiker haben sich etabliert und eine eigene Nische gefunden. Darin findet sich die Ruppigkeit der No Depression-Namensgeber Uncle Tupelo um Jeff Tweedy genauso wie die edlen Harmonien ihrer Landsleute von Blue Rodeo und die Energie der Folk-Rocker von Mumford & Sons.

Elliott Brood arbeiten nun das erste Mal mit einem externen Produzenten zusammen. Den Job hat Ian Blurton bekommen, der die Band im kalten Frühling dieses Jahres in das Bathhouse Studio am Lake Ontario einmietete. Einen Song pro Tag nahmen sie mit strenger Disziplin auf und Blurton sowie Tontechniker Nyles Spencer gaben hilfreiche Tipps, um den „Death Country“ früherer Jahre zu kultivieren. Sie füllten die voluminöse, aber nicht überladene Produktion mit kleinen, geschmackvollen Gimmicks auf und sorgten damit für zusätzliche Reize. Außerdem wurden als Verstärkung auch noch ein Pedal-Steel-Gitarrist und ein Bassist engagiert. Dadurch bekamen die Multiinstrumentalisten Casey Laforet (Gitarren, Bässe, Mandoline, Banjo, ausgewogener Gesang) und Mark Sasso (Gitarre, Banjo, Harmonika, raspeliger Gesang) mehr Freiräume für konzeptionelle Dinge.

Elliott Brood verschmelzen Stilmittel so miteinander, dass das Ergebnis schlüssig und wie selbstverständlich erscheint. Tempo und Dynamik ändern sich dabei häufig innerhalb der Songs. Durch die adaptierte Sichtweise auf Musik mit Country-, Folk- oder Blues-Wurzeln haben Kanadier häufig einen globaleren, unabhängigeren Blick als ihre US-Kollegen. Deren Vorgehensweise ist nicht selten durch kulturelle Vorgaben geprägt. Dieser Vorteil kann kanadische Künstler dazu befähigen, ihre Ideen freier und ungehemmter auszuleben. So hat „Little Ones“ ein Country-Fundament, das durch sinnliche Pedal-Steel-Einwürfe untermauert wird. Der Song ist aber genauso dem Folk und dem Power-Pop zugeneigt. Rustikaler Folk mit Banjo-Einleitung, geführt von knorrigem Raspel-Gesang, ist bei „Nothing Left“ zu hören. Der Titel macht Druck und hat einen ungewöhnlichen Glam-Rock-Boogie-Mittelteil. Ein Musterbeispiel für mehrstufiges, selbstsicheres, ungekünsteltes Liedgut ist „Mission Bell“. Da kommen Assoziationen an Arthur Lees Love und deren Westcoast-Rock-Meisterwerk „Forever Changes“ in den Sinn und das Gitarrensolo kann sich an den Großtaten, die David Lindley für Jackson Browne geleistet hat, messen lassen.

Elliott Brood bringen das Kunststück zustande, gleichzeitig anmutig wie auch mitreißend sowie gefühlvoll und zupackend sein zu können. Ihre Musik strahlt neben der angesprochenen Reife auch Kraft, Liebe und vor allen Dingen Zuversicht aus. Sie ist eine emotionale Vitaminbombe und damit ein nicht verschreibungspflichtiges Mittel gegen den Herbst-Blues. Ohne Nebenwirkungen, aber mit positiver Wirkung auf das Genusszentrum im Gehirn. Die Töne tragen den Hörer geschmeidig durch den Tag und sind aufgrund ihrer Qualität ein beständiger Begleiter. Mit „Work And Love“ gehört die Gruppe endgültig zur ersten Liga der CanAmericana-Bands. Die Deluxe-Version des neuen Albums bietet übrigens noch eine Bonus-CD mit fünf akustischen Aufnahmen. Vier davon stammen aus den Paper Bag Sessions und „Don't Take It Away“ gibt es noch als Zugabe.

Anspieltipps:

  • Little Ones
  • Mission Bell
  • Nothing Left
  • Tired
  • Jigsaw Heart

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