Delta Spirit - Into The Wide - Cover
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Delta Spirit Into The Wide


  • Label: Dualtone/Rough Trade
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

„Auf in den Mainstream!“ heißt die Devise eines Albums, welches die Qualitäten Delta Spirits im Umbruch etwas verschwimmen lässt.

Delta Spirit hätten letztes Jahr den großen Durchbruch verdient. Nicht nur hatten sich Depeche Mode unbewusst dazu bereit erklärt, mit dem Tour-Namen für die Band zu werben, auch ihr selbstbetiteltes Album war eine Überraschung durch und durch. „Delta Spirit“ war ein Umschwung vom Folk-Rock und Americana der ersten beiden Alben und während Nummern wie „Tellin' The Mind“ diese Wurzeln zelebrierten, etablierte sich die Band mit den Nummern „Empty House“, Tear It Up“ und „California“ aus dem Stand. Vielleicht handelte es sich um einen Findungsprozess, doch dieser sorgte für Abwechslung auf derart hohem Niveau, dass die Scheibe auf sämtlichen Top-Listen hätte landen können.

Das neue Album erinnert an eine ganze Reihe von Bands, die ihren eigentlich gelungenen Schritt in einer Weise weitergehen, die nicht immer nachvollziehbar ist. Keane ist einer der bekannteren Vergleiche, als „Under The Iron Sea“ den noch frischen und erfolgreichen Sound der Band überlud und sich damit selbst an Potenzial nahm. Auch „Into The Wide“ ist ein solches Album geworden. Die neue LP wirkt wie aus einem Guss, der allerdings viel zu schnell abgesegnet wurde. Nach der hymnischen, aber schon sehr überladenen Eröffnung „Push It“ verdeutlichen die nun in Brooklyn lebenden Musiker, dass die Gitarren sich zu jagen haben und mit Synthesizern zusammen ein möglich enges Dickicht an Sound entstehen muss.

„From Now On“ und „Live On“ erdrücken ihr melodisches Potenzial in der besagten Sound-Flut und wenn die Drehzahl gedrosselt wird, dann reiben sich Hörer die Augen. Sind das etwa The Killers, die da in „Take Shelter“, „Hold My End Up“ und „For My Enemy“ durchscheinen? Trotz guter Melodien, die die Band natürlich nicht verlernt hat, verspüren Hörer das Gefühl, sie würden eine gänzlich neue Band hören. Nur dieses Mal sind die Ähnlichkeiten zum vorigen Album viel größer und der Umschwung auf die inzwischen längst nicht mehr so spannenden Killers ist überraschend.

Bezeichnenderweise ist „Into The Wide“ am stärksten, wenn die Band es ganz schlicht angeht. Der Track „Language Of The Dead“, der auf jedem anderen Album gewiss unscheinbar wirken würde, ist eine bodenständige Nummer mit sofortigem Ohrwurmpotenzial. Keine Übertreibungen, keine Versoftungen wunderbarer Melodien wie in „Take Shelter“ und „For My Enemy“ verwaschen die Essenz des Titels. Hier fühlt sich der Gesang ehrlich und passend an, wohingegen die angezogene Handbremse beim Pop-Gros nicht zu überhören ist.

Dass die 50 Minuten des Albums trotzdem geschwind vorübergehen, liegt daran, dass Delta Spirit trotz solcher Fehltritte keine schlechte Musik machen können. Waren sie früher hier und da zu schleppend in ihrem Folk, ist „Into The Wide“ schlichtweg zu poppig geraten. Die Aufteilung der Stimmungen dieses Albums trifft einfach nicht dermaßen den Punkt, wie es noch auf den vorigen Alben der Fall war. Der Sound klingt zu brav und gleichzeitig zu überladen und droht zu oft zu generischer Stadionmusik zu verkommen. Ein paar herausragende Titel und manchmal auch nur Momente wie in „War Machine“ erinnern jedoch oft genug, warum man als Hörer weiterhin gerne auf Delta Spirit zurückgreift. Fürs nächste Album sollte die Band jedoch überdenken, ob sie weiterhin versuchen sollte, etwas zu sein, was sie offensichtlich (noch) nicht ist.

Anspieltipps:

  • Language Of The Dead
  • Push It
  • For My Enemy

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