Max Raabe - Eine Nacht In Berlin - Cover
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Max Raabe Eine Nacht In Berlin


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 51 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Max Raabe arbeitet seine Musik inzwischen – und das dann auch noch nach Schema F.

Madame Tussauds wird es freuen. Max Raabe bewegt sich auf der Bühne inzwischen so wenig, dass das Original gleich als Wachsfigur herhalten darf. Wer sich einen Gefallen tun möchte, der lässt die DVD bei Seite und genießt „Eine Nacht In Berlin“ mit Max Raabe allein beim Zuhören. Wo Raabes Gesicht das schelmische Element nur noch auf Covern und Promo-Bildern regelmäßig aufflackern lässt, ist die Stimme zumindest charmant wie immer. Besonders wenn Raabe covert, wirkt allerdings auch die Stimmfarbe so, als würde der gute Mann mit angezogener Handbremse singen oder zumindest nicht 100% geben.

Die Qualitätsunterschiede sorgen zwar nicht für eine Achterbahn, doch eine Radfahrt auf Kopfsteinpflaster darf man sich schon bildlich vorstellen. Die Nacht in Berlin lohnt sich zu selten, als dass Hörer tatsächlich etwas Besonderes auf dieser Live-CD geboten bekommen würden. Dass der Sänger live fast genauso wie im Radio klingt, ist hinlänglich bekannt, doch wirklich mitreißen tut solche Musik nicht auf so lange Dauer. Zwar sorgen geschwinde Lieblinge wie „Mein Kleiner Grüner Kaktus“ und „Küssen Kann Man Nicht Alleine“ oft für ein wenig Kurzweile, doch den langsameren Stücken fehlt oft die nötige Tiefe, um wirklich zu bezaubern. Ähnlich wie bei Adoro nutzt sich die stimmliche Besonderheit bei Raabe schnell ab und die dahinter liegenden Lieder sind oft nicht mehr als solides Mittelmaß („Für Frauen Ist Das Kein Problem“) oder winden sich im Schatten der großen Originale („Wir Sind Von Kopf Bis Fuß Auf Liebe Eingestellt“).

Raabe klingt wenn überhaupt schwächer als auf vorigen Live-Scheiben und setzt den traurigen Trend der letzten Studio-Alben fort. Durch die bessere Mischung fallen die Schwächen der letzten Outputs zwar nicht derartig ins Gewicht, doch ganz weg singen kann Raabe sie mit dieser durchschnittlichen Eigenleistung aber eben auch nicht. Dazu wird die Stimmung zusätzlich dadurch getrübt, dass auch die von sich aus großartigen Stücke im Gesamtbild von der Eintönigkeit Raabes heruntergezogen werden. Vielleicht muss der Mann einfach mal wieder mit einem Kaktus gepiekt werden, damit ein bisschen Schwung in seine Musik kommt.

Anspieltipps:

  • Ouvertüre – Ich Bin Nur Gut, Wenn Keiner Guckt
  • Mein Kleiner Grüner Kaktus
  • Für Frauen Ist Das Kein Problem

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