The Travelling Band - The Big Defreeze - Cover
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The Travelling Band The Big Defreeze


  • Label: Sideways Saloon/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

The Travelling Band peppen ihren Sound durch erfrischende Pop-Beigaben auf, ohne an Format zu verlieren.

Die Folk-Rock-Gruppe The Travelling Band aus Manchester ist eigentlich keine Folk-Rock-Formation im engeren Sinne mehr. Wesentlich deutlicher als Folk- und Country-Einflüsse treten auf ihrer dritten Studio-Produktion Pop-Referenzen, die einer Beatles-Vorliebe zugeschrieben werden können, zutage. Das wird manchmal sogar mit einem frechen Alternative-Rock-Look versehen („Passing Ships“).

Es gibt aber noch weitere Anknüpfungspunkte. Kennt noch jemand Squeeze? Deren Songwriter-Gespann Difford & Tilbrook hatte in den 80er-Jahren die New Wave-Szene mit spritzigen Pop-Nummern unterfüttert. „Garbo“ hört sich an, als wäre es aus deren Output gezogen worden. Das Lied ist aber als eine Art Hommage an die Kinks gedacht. Aus dem gleichen Holz sind „25 Hours“ und „Quicksand“ geschnitzt. Letztgenannter Titel ist etwas rockiger, aber immer noch galant in ein geschmeidiges Pop-Gewand gekleidet. Matthew Sweet und Teenage Fanclub lassen grüßen.

Die intelligente Pop/Rock-Nummer „Borrowed & Blue“ erinnert in ihrem verwinkelten Aufbau an die komplexeren Songs von Crowded House. Zu großer Songwriter-Form laufen sie auch mit „Sticks & Stones“ auf. Diese vollmundige, voluminöse, salbungsvolle Ballade überzeugt durch eine unkonventionell angesetzte Melodie, die mit kleinen, aber feinen aufrüttelnden Feedback-Tupfern ausgestattet wurde. „78,8%“ ist dagegen tatsächlich nur maximal zu diesem Prozentsatz gelungen, da der Gesang stellenweise zu pathetisch aufgebauscht wurde. Auch das populistisch angelegte Trinkerlied „For All The Fallen” ist keine Glanzleistung.

Aber ansonsten beweist das Quintett mit seiner Weiterentwicklung Mut und Können. Sie rennen keinem erkennbaren Trend hinterher und ihre Stil-Ausdehnung ist logisch und nachvollziehbar. Sicherlich muss sich die Gruppe einige Vergleiche gefallen lassen, denn sie bewegt sich auf einem Terrain mit kompetenter Konkurrenz, wie die oben aufgeführten Querverweise zeigen. Aber die Travelling Band macht das ganz geschickt. Sie verlässt nicht grundsätzlich ihre alte Linie, da sie keinen radikalen Schwenk in eine andere Richtung vollführt. Außerdem ist sie bei ihrer Interpretation souverän genug, um sich auf dem erweiterten Gebiet zu behaupten und frischen Wind in ihre Songs zu bringen. Weiter so, es gibt viel zu wenige ansprechende Pop-Bands.

Anspieltipps:

  • Garbo
  • 25 Hours
  • Quicksand
  • Borrowed & Blue
  • Sticks & Stones

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