Dexys - Nowhere Is Home - Cover
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Dexys Nowhere Is Home


  • Label: Absolute Dexys/Rough Trade
  • Laufzeit: 96 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Reaktiviert: Nach der unverhofften Wiederkehr der Dexys im Jahr 2012, gibt es jetzt die Doku dazu und zusätzlich einen aktuellen Live-Auftritt.

Mit diesem Comeback hatte kaum jemand gerechnet. Kevin Rowland und seine Dexys Midnight Runners waren 1980 mit „Searching For The Young Soul Rebels", einem großartigen Northern Soul-Album, aufgefallen. Sie landeten mit der Single-Auskopplung „Geno“ auch gleich einen Nummer-eins-Hit in Großbritannien. Nichtsdestotrotz krempelte Rowland die Gruppe um und ging mit neuen Dexys Midnight Runners auf Spurensuche beim jungen, Soul-durchfluteten Van Morrison. Dessen Version der Kombination von Rhythm & Blues mit Celtic-Folk legte den Grundstein für das nächste Album („Too-Rye-Ay", 1982) und warf den Welthit „Come On Eileen“ ab. Kevin wurde durch den Ruhm aus der Bahn geworfen und beging mit dem schwierigen dritten Album „Don't Stand Me Down" (1985) kommerziellen Harakiri, weil er nicht auf die Erwartungen des Publikums einging. Musikalisch gehört die Songsammlung zu den gewagten, unerschrockenen Werken der 80er-Jahre und war ein Wendepunkt in der Karriere von Kevin Rowland. Auch seine merkwürdig kitschigen Solo-Alben von 1988/89, bei denen man nicht wusste, ob sie ernst gemeint oder eine Parodie waren, konnten nicht verhindern, dass er in der Versenkung verschwand. Im Jahr 2012 feierte er dann unter dem verkürzten Namen Dexys ein furioses Comeback. „One Day I'm Going To Soar" hieß das Werk, das die Formation zurück in den Fokus von Publikum und Kritikern rückte.

Nun folgt die Aufbereitung des Neuanfangs mit einer Dokumentation und einem Auftritt im Duke Of York`s Theatre in London auf 2 DVDs (wahlweise auch als Audio-Aufnahme auf 3 CDs zu haben). Als wenn man es nicht schon geahnt hätte: Die Dramatik und Selbstdarstellungskraft der Dexys benötigt Bühnenbilder, Tanz, Schauspiel und die Interaktion der Beteiligten, um die visuellen Qualitäten der Songinhalte gänzlich herauszuheben. Kevin Rowland bezeichnet sich selbst als Soul-Sänger. Er wäre nie ein Rock`n`Roller gewesen, erzählt er. Auch mit der ganzen Hippie-Bewegung konnte er nichts anfangen. Er ist ein Show-Mann. Sein Vorbild ist unter anderem Bryan Ferry, der Sänger von Roxy Music. Auch er ist ein Entertainer, der Wert auf das Äußere legt und gepflegte Unterhaltung bietet. Die Dexys haben sich in der neuen Inkarnation in Kleidung der 30er- und 40er-Jahre gewandet und spielen Musik, die eine Spanne vom Philly-Sound über Disco bis hin zu Northern- und Southern Soul abdeckt. Die gewollten Brüche und Erzähl- sowie Dialogpassagen geben der Darbietung zusätzlich noch diesen Cabaret-Jazz-Flair, der auch danach schreit, das ganze Konstrukt auf die Bühne zu bringen.

Dafür gibt es jetzt diese Vollbedienung. DVD 1 bietet eine Dokumentation („Nowhere Is Home“) mit erhellenden Kommentaren von Kevin Rowland zu seinem Werdegang und seinen Absichten, die leider nur durch Live-Einblendungen des Konzertes von DVD 2 ergänzt werden. Besser wäre es in diesem Zusammenhang gewesen, die gesamte Karriere der Band anhand von historischen Bildern zu beleuchten. DVD 2 beinhaltet dann das ganze Konzert, das im Duke of York’s Theatre in London, im April 2013 mitgeschnitten wurde. Abgerundet wird die Veröffentlichung noch durch zwei Videos von „Incapable Of Love” und „She Got A Wiggle”. Das Repertoire des Konzertes umfasste hauptsächlich Titel von „One Day I'm Going To Soar“, es wurden aber auch Klassiker wie „Tell Me When My Light Turns Green“, „Old“ und „The Waltz“ aufgeführt.

Kevin Rowland ist immer noch relativ gut bei Stimme. Er umschwärmt, fleht oder fordert und spielt seine Hauptrolle in der Band voll aus. Die Musiker polstern die Lieder mit Bläsern, Geige, Bass, Gitarre, Keyboards und Schlagzeug gut aus. Sie folgen ihrem Frontmann je nach Stimmung des Songs entweder introvertiert-unauffällig oder ausgelassen-druckvoll. „Nowhere Is Home” ist insgesamt eine kurzweilige Angelegenheit geworden. Die Dokumentation hätte aber durchaus das gesamte Schaffen von Kevin Rowland abdecken dürfen.

Anspieltipps:

  • The Film „Nowhere Is Home"
  • The Full Duke of York’s Theatre Live Performance

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