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Diverse Mauerfall: Das Legendäre Konzert Für Berlin ´89


  • Label: Panorama/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 69 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
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Mädchen aus Ost-Berlin, das war wirklich schwer. Ich musste gehn, obwohl ich so gerne noch geblieben wär. Aber Mädchen, ich komme wieder und vielleicht geht's auch irgendwann mal ohne Nervereien.

In der Nacht des 9. November 1989 fiel nach 28 Jahren Existenz die Berliner Mauer. Nur zwei Tage später hatten Redakteure des Senders Freies Berlin (SFB) ein Gratiskonzert organisiert, das deutsch-deutsche Musikfans in der Berliner Deutschlandhalle, gelegen im West-Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, zusammenbringen sollte. Am Sonntag, dem 12. November 1989 ging dann tatsächlich ein elfstündiges Festival mit 20 deutschen und internationalen Rock-Acts friedlich über die Bühne, das von 50.000 Menschen besucht wurde.

Heute undenkbar: Es gab keine Fernsehausstrahlung des „Konzerts für Berlin“. Dafür übertrugen diverse Radiosender das große Live-Ereignis, an dem Künstler wie Bap, Nina Hagen, Udo Lindenberg, Joe Cocker, Melissa Etheridge, Nena, Puhdys, Die Toten Hosen, Marius Müller-Westernhagen, Heinz Rudolf Kunze und Ulla Meinecke teilnahmen. Eine geplante Veröffentlichung auf Schallplatte fand offiziell nie statt, da sich die Plattenfirmen der verschiedenen Künstler nicht über das liebe Geld (sprich: Lizenzrechte) einig wurden. Doch was lange währt, wird endlich gut: 25 Jahre später erscheint mit „Mauerfall: Das legendäre Konzert für Berlin ´89“ doch noch eine CD, die in gut 70 Minuten einige der Konzert-Highlights präsentiert.

Über das Line-up kann nicht gemeckert werden. Denn wer innerhalb von 48 Stunden ein Festival organisiert, muss mehr oder weniger nehmen, was er bekommen kann. Die einen oder anderen Künstler wie Joe Cocker oder auch Die Toten Hosen unterbrachen extra ihre laufenden Tourneen, um in Berlin dabei sein zu können. Aus dem Osten waren Stars wie Silly, Zöllner und Pankow gekommen, der Westen schickte mit Bap, Udo Lindenberg und Westernhagen ebenfalls Hochkaräter ins Rennen. Allerdings sind auch heute nicht alle Acts auf der CD vertreten. Vielleicht aus rechtlichen Gründen, vielleicht weil der Sound einfach zu schlecht für eine Veröffentlichung ist. Denn das, was wir 25 Jahre nach dem „Konzert für Berlin ´89“ zu hören bekommen, bewegt sich nicht selten nur knapp über gehobener Bootleg-Qualität.

So bekommt der aufmerksame Hörer zum Beispiel die Unterhaltungen des Publikums mit, und darf miterleben, dass im Soundcheck nicht jedes instrumentale Problem in den Griff bekommen wurde und nicht alle Riffs, Soli und Texte am rechten Fleck sitzen. In Anbetracht der historischen Gewichtung dieses Festivals, muss der Hörer deshalb ein Auge zudrücken – nicht nur was die Musik angeht. Denn der heutige Sportchef des WDR, Steffen Simon (49), moderierte das Marathon-Konzert. Seine Ansagen wurden nicht herausgeschnitten, sodass hier und da ein Eindruck von Herrn Simons späterer, gewohnt unsympathischer Fußballkommentatorentätigkeit durch die Deutschlandhalle weht.

Einige musikalische Highlights gab es an diesem Tag dennoch zu entdecken. So dichtete Udo Lindenberg bei seinem ersten Auftritt nach längerer Krankheit den Text von „Sonderzug nach Pankow“ um, Nina Hagen holzte in einer herrlich schrägen Punkrock-Version durch Sinatras „My way“ und Silly, damals noch mit der unvergesslichen Tamara Danz am Mikrophon, stellten fest: „Alles wird besser“. Spätestens dann haben diejenigen, die diese Tage im November des Jahres 1989 auf irgendeine Art persönlich miterleben durften, einen Kloß im Hals. Denn es gibt nichts Größeres, als Geschichte live miterlebt zu haben.

Anspieltipps:

  • My way
  • Die offene See
  • Alles wird besser
  • Verdamp lang her
  • Sonderzug nach Pankow
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