Neil Young - Storytone - Cover
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Neil Young Storytone


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Genial-verrückter Neil Young: Nach dem Minimalwerk „A Letter Home“ folgt nun das Bombastalbum „Storytone“.

In den kurzen Abständen, in denen Neil Young (68) mittlerweile seine Studioalben veröffentlicht, nimmt er die Schlagzahl vieler großer Acts der 60er und 70er Jahre auf, die, so wie er auch, gerne zwei oder auch mehr Alben pro Jahr auf den Markt brachten. Sein letztes Werk „A Letter Home“ (05/2014) ist gerade einmal fünf Monate alt, da steht der kanadische Sänger und Songschreiber mit „Storytone“ schon wieder auf der Matte. Und als wären lediglich fünf Monate zwischen zwei Longplayern nicht schon radikal genug, überrascht Young nach dem experimentellen Minimal-Opus „A Letter Home“ (aufgenommen in einem Mini-Studio mit den Ausmaßen einer Telefonzelle) nun mit einem opulenten Orchesterwerk, an dem er mit 92 (!) Musikern gearbeitet hat.

Er hatte es am Jahresanfang angekündigt und nun tatsächlich wahrgemacht: Zwei Alben in einem Jahr. Wie schön. So wird es weder dem Künstler, noch seinen Fans langweilig, zumal die musikalischen Gegensätze kaum größer sein könnten. Denn kaum ist Neil Young der komischen Aufnahmezelle aus den 40er Jahren entkommen, lädt er ein ganzes Orchester ins Studio ein, um seinen Kompositionen einen musikalischen Rahmen zu bieten, der an den Soundtrack eines Hollywood-Blockbusters erinnert. Streicher! Bläser!! Und dazu die jaulende Stimme des 68-Jährigen. Was auf dem Papier für Stirnrunzeln sorgt, ist in natura ein größtenteils gelungenes Experiment.

Neil Young limitiert sich nicht künstlich wie auf „A Letter Home“, sondern schöpft aus dem Vollen! Er zirpt in „Tumbleweed” wie ein frischverliebter Jüngling (Young lässt sich im Dezember nach 36 Ehejahren von seiner Frau Pegi scheiden. Es soll eine Jüngere geben), er bringt einen neuen Umwelt-Protestsong an den Start („Who’s gonna stand up?“) und er grantelt in lässig-trotzigen Blues-Stücken wie „I want to drive my car“ und „Like you used to do“. In „Say Hello To Chicago“ frönt Young spritzigen Klängen im Frank-Sinatra-Big-Band-Stil und träumt versonnen in „All those dreams“.

Seine Balladen sind herzzerreißend wie eh und je („When I watch you sleep“), emotional verstärkt durch seine immer rauer und dünner werdende Stimme („I’m glad I found you“). Das erzeugt Gänsehaut und ergibt, eingerahmt von den mal zarten, mal majestätischen Orchesterklängen, eine neue Dringlichkeit in Neil Youngs Musik, die er sonst nur mit seinen stürmischen Rockalben zusammen mit Crazy Horse erzielt.

Anspieltipps:

  • Plastic flowers
  • Like you used to do
  • I want to drive my car
  • Who’s gonna stand up?
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