Rökkurró - Innra - Cover
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Rökkurró Innra


  • Label: Rökkurró Music/State 51
  • Laufzeit: 46 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Rökkurró kommen aus Island, dem Land der Elfen und Trolle. Märchenhaft und esoterisch hört sich auch ihre Musik an.

Rökkurró ist eine isländische Band, die es seit sieben Jahren gibt und die schon zwei Alben in ihrer Heimatsprache veröffentlicht hat. Ihr drittes Werk wurde jetzt beinahe komplett in englischer Sprache eingesungen. Andere isländische Künstler wie Björk oder Sigur Rós haben durchaus ihre Spuren hinterlassen, Rökkurró lassen sich aber nicht so einfach als Trittbrettfahrer identifizieren.

Man wird sanft in den Klangkosmos der Isländer eingeführt. Romantisch sanfte Streicher und ein mild gestimmtes Piano verwöhnen die Gehörgänge. Behutsam nimmt Kristín Stefánsdóttir gesanglich die Fährte auf und bewegt sich langsam in höhere Stimmlagen. Bis kurz davor, wo es schrill wird. Die Sangeskunst von Björk oder Kate Bush mag hier als Vergleich einen Eindruck vermitteln. Der elektronische Rhythmus lässt „Borders“ flotter werden. Dieser maschinelle Taktgeber ist ein Gegengewicht zum umwölkten Streicherintermezzo, wird aber nicht als Störfeuer empfunden. Nach dem Verklingen des Openers ist noch nicht klar, wohin die Reise geht. Was die Gruppe erreichen möchte lässt sich noch nicht eindeutig einordnen.

Als Elfe mit provokativ hoher Stimme empfängt uns Kristin auch bei „Weightless“. Der Song gewinnt im Verlauf an Dynamik, hat leise und laute Sequenzen und taumelt zwischen Chill-out-Feeling und moderner Popmusik mit elektronischer und akustischer Instrumentierung hin und her. Bei „Sigling“ bewegen sich die Musiker in gemäßigten Jazz-Gefilden, was ihnen sehr gut steht. Als biedere Popnummer beginnt „Killing Time“ und begnügt sich auch im weiteren Verlauf mit leichtgewichtigen Sounds und Abläufen. „The Backbone“ schmeichelt sich wieder mit weichen Streichern ein, bevor ein ebensolcher Rhythmus den Song ausgeglichen, aber unverbindlich erscheinen lässt.

Langsam schält sich aus dem Ablauf und der Vorgehensweise ein Konzept heraus. Rökkurró liegen mit ihrer Musik mittig zwischen Elektro- und Esoterik-Pop, was durch Beigaben von Soft-Jazz abgerundet wird. Leider tendiert die zweite Hälfte der CD zu Easy-Listening-Beiträgen, die einen populären Bereich abdecken, aber musikalisch wenig anspruchsvoll sind. „White Mountain“ ist eine süßlich-verschwommene Ballade, die eine zahnlose Struktur hat und mit einfachsten Mitteln die Sinne betören soll. Das hat den Nachgeschmack von banalen Musical-Songs à la „Cats“. „The In Between“ wird durch ein romantisches Piano bestimmt, das das Lied als konturlose Gestalt im Raum stehen lässt. Das in der Landessprache gesungene „Flugdrekar“ sowie das nachfolgende „Blue Skies“ erschöpfen sich in Schönsingerei. Diese Musik erzeugt oberflächlich betrachtet behagliche, einnehmende Schwingungen, lullt den Hörer aber damit ein, statt ihn zu fordern. „Hunger“ und „Red Sun“ beleben das Geschehen etwas, die Kate Bush-Anleihen sind hier allerdings zu offensichtlich.

Was als hoffnungsvolle Verbindung zwischen Chanson-Eleganz und introvertiertem modernem Pop begann, entpuppt sich bei näherem Hinhören als zielloses Allerwelts-Konstrukt, das sich nicht zwischen beliebtem Charts-Pop und anspruchsvoller Unterhaltung entscheiden kann. Das ist schade, denn es gibt durchaus gute Ansätze und die Musiker sind auch in der Lage, sich flexibel auszudrücken. Aber sie wollen sich nicht fokussieren und so bilden viele Songs eine wabblige Masse, die weder Fisch noch Fleisch ist. Außerdem kann Kristín Stefánsdóttir über längere Zeit mit ihrem hochgelegten Kunstgesang nicht emotional berühren.

Anspieltipps:

  • Borders
  • Sigling

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