AC/DC - Rock Or Bust - Cover
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AC/DC Rock Or Bust


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 35 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Nur ein Original kann vom Publikum dafür geliebt werden, dass es dieselben Riffs seit 40 Jahren immer wieder neu aufkocht.

Würde es von AC/DC nicht alle Nase lang eine neue Live-CD/DVD oder ein weiteres Box-Set geben, könnte es einem tatsächlich mal auffallen, dass das bis dato letzte Studioalbum „Black Ice“ (10/2008) schon wieder geschlagene sechs Jahre auf dem Buckel hat. Das sind im Hause AC/DC zwar ganz normale Zeitabstände („Stiff Upper Lip“ ist aus dem Jahr 2000, „Ballbreaker“ aus 1995 und „The Razors Edge“ gar aus 1990), doch die Herren werden nicht jünger und den Fans dürstet auch nach 40 Jahren immer noch nach denselben Riffs in vermeintlich neuen Kleidern. Dabei machen AC/DC im Moment wohl ihre schwerste Phase nach dem Tod von Sänger Bon Scott im Jahr 1980 durch.

Gründungsmitglied und Urgestein Malcolm Young (61) ist an Demenz erkrankt und hat die Band verlassen. Rums! Seinen Posten übernahm sein Neffe Stevie Young (58). Zudem wurde gegen Schlagzeuger Phil Rudd (60) wegen Auftragsmord zuerst Anklage erhoben und dann mangels Beweisen wieder fallengelassen. Außerdem wird ihm der Besitz harter Drogen vorgeworfen. Schön ist das alles nicht, aber leider auch „gute“ Promotion. Denn die Menschen sprechen über die Band, die im nächsten Jahr natürlich wieder auf Tournee gehen will und damit größere Kasse macht, als mit ihren Plattenverkäufen, die im Vergleich zu anderen Acts allerdings immer noch äußerst stattlich sind. So verkaufte sich „Black Ice“ weltweit ca. acht Millionen Mal, davon allein eine Million in Deutschland!

Black Ice“-Produzent Brendan O`Brien (u.a. Pearl Jam, The Killers, Audioslave, Bruce Springsteen, Limp Bizkit, Train) war wieder mit an Bord, als es im Frühjahr 2014 im kanadischen Vancouver in die Warehouse Studios ging, wo in gerade einmal vier Wochen das Material für „Rock Or Bust“, den 16. Studio-Longplayer eingespielt wurde. Und das ohne Gitarrist, Ideengeber und Kreativkopf Malcolm Young, der zwar am Songwriting beteiligt war, aber erstmals nicht auf einem AC/DC-Album zu hören ist. Stevie Young vertritt seinen kranken Onkel allerdings ganz hervorragend und hält den stampfenden Blues- und Hardrock-Mississippi-Dampfer auf „Rock Or Bust“ auf Kurs.

Auch Sänger Brian Johnson ist trotz seiner fast 70 Lenze stimmlich gut in Schuss und krakelt mit Inbrunst und Seele durch elf Stücke, die zusammen nur auf ungewöhnlich kurze 35 Minuten Spielzeit kommen. Diese wird hingegen genau so ausgenutzt, wie es sich die AC/DC-Fans vorstellen. Schon die ersten Sekunden des Albums sind dermaßen spezifisch, so etwas schaffen nur wenige Bands wie zum Beispiel die Rolling Stones. Und dieser bluesgetränkte Hardrock-Sound wird stoisch und selbstbewusst durchgezogen.

Groovende Rhythmen, stetig sägende Riffs, simple Refrains, kurze Gitarrensoli. Nein, AC/DC müssen anno 2014 nichts mehr an ihrem Klangbild verändern, auch wenn ihnen scheinbar kein großer Radiohit mehr gelingen mag. Stücke wie „Dogs of war“, „Sweet candy“ oder auch „Rock the house“ stellen dennoch genial-simplen Hardrock für die Massen in den größten Stadien der Welt dar. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Wer dies zu kopieren versucht, kann nur gnadenlos scheitern. Nur ein Original kann vom Publikum dafür geliebt werden, dass es dieselben Riffs seit 40 Jahren immer wieder neu aufkocht. Im Fall von AC/DC ist dies sogar ausdrücklich gewünscht. Mit Prog-Scheiße sollen sich andere beschäftigen.

Anspieltipps:

  • Play ball
  • Sweet candy
  • Dogs of war
  • Rock the house
  • Baptism by fire
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