Schwesta Ewa - Kurwa - Cover
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Schwesta Ewa Kurwa


  • Label: Alles Oder Nix Records
  • Laufzeit: 71 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Das offizielle Debütalbum der polnischen Rapperin mit Rotlichtmilieu-Vergangenheit.

Mit „Kurwa” (Vulgär-Polnisch für Nutte) präsentiert die Ex-Prostituierte und Wahl-Frankfurterin Ewa Müller (30) ihr offizielles Debütalbum, nachdem sie vor etwas mehr als zwei Jahren mit „Realität” (10/2012) ein erstes Mixtape auf den Markt brachte. Die Vorgeschichte zu „Kurwa“ gehört zweifellos zu den wenigen wirklich aufhorchenswerten Geschichten im Musikzirkus, in dem auch heute noch Biografien erfunden werden, um Künstler für das Publikum interessant zu machen. Bei Schwesta Ewa klingt dagegen nichts konstruiert oder überhöht dargestellt. Etwas Koketterie gehört dennoch zum Spiel. Und wenn es nur darum geht, die voyeuristischen Triebe des Publikums zu bedienen.

Zum Freundeskreis von Ewa Müller gehört der iranische Gangsta-Rapper Giwar Hajabi alias Xatar (33), der Ewa dazu animierte, aus dem horizontalen Gewerbe auszusteigen und es mit Rap zu versuchen. Es dauerte einige Jahre, bis die 30-Jährige davon überzeugt war und nach ersten Gehversuchen als Feature-Gast (z.B. bei Celo & Abdi) auf eigene Tracks setzte. Zwar gestaltete sich das „Realität“-Mixtape in Sachen Reime und Raps noch etwas holprig, doch der Einstieg war geschafft, sodass Schwesta Ewa zur Veröffentlichung von „Kurwa“ bereits ein fester Begriff in der deutschen HipHop-Szene ist.

„Kurwa“ - nur echt in der „Red Light Box”

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„Kurwa“ behandelt hauptsächlich Schwesta Ewas Vergangenheit als Prostituierte und bietet realistische Einblicke in ein Milieu, aus einer Perspektive, die zumindest im Rap-Business neu ist. Hier rappt nicht der Bad Boy mit der dicken Hose, der im Club mit Fuffis um sich wirft und die Chicks klarmacht, sondern eine Frau, die auf der anderen Seite steht, um dem Bad Boy für ihren Lebensunterhalt die lila Scheine aus der Tasche zu ziehen. Wer, wenn nicht Schwesta Ewa, könnte darüber besser berichten?

Mehr als zehn Jahre ist Schwesta Ewa anschaffen gegangen und verdiente dabei gutes Geld auf dem Strich. Zu romantisieren gibt es dabei nichts. Aber es gibt Stoff für ein außerordentliches Storytelling her, das in gut abgehangene Old-School-Westcoast-Boombap- und G-Funk-Tracks eingebunden wurde, in denen u.a. Xatar, Chefket, Fard, Eko Fresh, Megaloh und Marteria gefeatured werden. Darin hat sich Schwesta Ewa ihren markanten polnischen Akzent bewahrt, der sofort ins Ohr geht. Darin hat sich Ewa ihren markanten polnischen Akzent bewahrt, der sofort ins Ohr geht, die Authentizität verstärkt und Rap-technische Mängel charmant kaschiert.

Musikalisch ist „Kurwa“ erstaunlich vielseitig und ein Quantensprung im Vergleich zu „Realität“. Inhaltlich dreht sich dagegen alles um Para, Nutten, Freier abzocken, Koks, schnelles Geld, Mercedes Brabus CLS, 7er BMW mit M-Paket, Rolex Uhren, Schwänze lutschen, MCM Taschen, Tunneln, Scheine machen und Waffen. Okay, das ist bei den Amis auch nicht anders, aber hier bekommen die Schlagworte in Songs wie „Paxx im Puff“, „Spiegelreflex“, „Für Elise“ oder auch „Mein Mann und ich“ eine regelrechte Tiefe, ohne dass sich die Texte in übertriebener Realness verkrampfen.

Fazit: Fast zwei Dutzend Tracks in 71 Minuten sind eine Menge Holz. Doch Schwesta Ewa gestaltet ihren Exkurs ins Rotlichtmilieu so spannend wie eine Studie in Form eines Spielfilms. Die Beats aus dem Hause Alles Oder Nix tragen das Album dabei in feinster Westcoast-Manier über die gesamte Spielzeit ohne Hänger oder Ausfälle und bestellen damit das Feld für ein HipHop-Album, das mehr als eine weibliche Alternative im vom Männern beherrschten Rap-Game darstellt.

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