eRRdeKa - Paradies - Cover
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eRRdeKa Paradies


  • Label: Keine Liebe Records
  • Laufzeit: 45 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Müde Reime und gezwungene Kraft in der Stimme lassen eRRdeKas Alltagsbeschreibungen und Träume verblassen.

Eigentlich kann eRRdeKa gar nicht böse sein. Bescheuerter Supermarkt-Name hin und melancholisches Twen-Gehabe her, wer einen Titel namens „Sternenpflücker“ auf den Track „Satan“ folgen lässt, der sorgt schon für eine Menge Belustigung. Das ist keinesfalls beleidigend gemeint, denn schlecht ist eRRdeKas Musik nicht. Sie ist ein verwöhnter Mischmasch aus vielen Elementen der letzten Jahre und Jahrzehnte und kann sich ohne große Vorbilder aber auch nie von Gegebenheiten lösen. Ohne Witz verliert sich der junge Mann in Phrasen, die ein nicht sonderlich spannendes Leben beschreiben und die Zukunft nicht grau, sondern schlichtweg vage zeichnen.

Es soll kein Vergleich sein, wenn „Geboren“ der Fantastischen Vier genannt wird und sich Lieder wie „Atme Ein Atme Aus“ komplett dekonstruieren lassen. Während eRRdeKas „Atme Ein Atme Aus“ eine Ambivalenz aus ungesundem Drogenleben und der Eintönigkeit des perfekten Familientraums ohne jegliche Aussagekraft, aber mit viel Ernst beschreibt, nutzten die Vier die Monotonie des Alltags noch für Humor. Aber nicht so bei der vorliegenden Platte. „Stroboskop“ beschwört die jugendlichen Tage voller Drogen, „Frau Für Eine Nacht“ ist eine Verarbeitung der eigenen Angst vor einer festen Beziehung und fertig ist ein Album voller Weltschmerz.

Dabei wären diese Stereotypen überhaupt kein großes Problem, wenn eRRdeKa wie andere Musiker zumindest ein Lebensgefühl beschreiben würde. Doch hinter dem fast schon industriellen Großstadtklang der Produktion verbergen sich stets andere Muster. Abstrakte Gedichte („Das Meer Und Ich“) unterscheidet sich thematisch nicht von der Nicht-Liebes-Ballade „Frau Für Eine Nacht“. Es sind beides rumpelnde, zurückhaltende wütend cool vorgetragene Texte, die nicht wirklich wissen, welche Gefühle sie aussprechen wollen. Darf ein echter Kerl nicht mehr Gefühle als in einem „Sternenpflücker“ zeigen?

Es fällt erneut auf, dass Drogen und Alkohol der einzige Weg sind, um mit der Sinnlosigkeit um einen herum fertig zu werden. Der Schluss ist oft, dass sich doch nichts ändern lässt, was schlussendlich auch bedeutet, dass die Dinge nun einmal sind, wie sie sind. Während viele abdriften, macht eRRdeKa seine Musik. Macht ihn das zum Propheten? Wenn ja, für wen ist er der Prophet? Er möchte Teil der Unzufriedenen sein, die oft gar keinen Grund fürs Unzufriedensein haben. Und selbst für diese Gruppe funktionieren dann wieder Themen wie in „Frau Für Eine Nacht“ und „Satan“ nicht. „Paradies“ fehlt schlichtweg die Vision, um das Talent für Rhymes in bedeutende Reime umzuwandeln. Das Ergebnis ist nichtssagende Party-Mucke in „Diggi“, die unterstreicht, dass eRRdeKa viel redet, aber wenig sagt.

Anspieltipps:

  • Sternenpflücker
  • Stroboskop
  • Der Perfekte Beat

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