Depeche Mode - Soundtrack: Live In Berlin - Cover
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Depeche Mode Soundtrack: Live In Berlin


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 475 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

In einer nicht gerade schönen Aufmachung holen sich auch Depeche Mode mit einer üppigen Live-Box ein Stück vom lukrativen Weihnachtskuchen.

Auf der Welttournee zu ihrem noch immer aktuellen „Delta Machine“-Album (03/2013) absolvierten Depeche Mode unzählige Konzerte in 32 Ländern vor insgesamt 2,4 Millionen Besuchern. Damit bewiesen die Briten, dass sie zu den wenigen ganz großen Acts auf dieser Welt gehören, die überall Stadien und Hallen ausverkaufen können. Und weil solche Kolosse wie Depeche Mode nach einer Tour erst mal eine längere Pause benötigen und nicht einfach gleich das nächste Studioalbum nachschieben können, kommt, was kommen musste: Eine Live-Auswertung der „Delta Machine“-Tour auf DVD und CD (es gibt keine Blu-ray!), für die selbstredend Buddy Anton Corbijn (U2, Coldplay, Metallica, Herbert Grönemeyer, Travis) als Regisseur gewonnen wurde.

Aufgezeichnet wurden die exemplarisch für die erfolgreiche Tournee stehenden Gigs am 25. und 27. November 2013 in der Berliner O² World. Daraus schuf Anton Corbijn den 155-minütigen Konzertfilm „Alive In Berlin”, der von einer Doppel-CD als Soundtrack flankiert wird. Dazu gibt es das reine Konzerterlebnis ohne dokumentarische Zutaten auch noch als DVD. Doch lediglich das Soundtrack-Album ist separat erhältlich. Wer sehen und hören will, muss zu einem Box-Set greifen, in dem alles enthalten ist. Dieses erscheint in einer kleinen Papp-Box, die optisch nicht viel hermacht und auch in Sachen Innenleben mit dünnen Pappschubern für die fünf Discs keine Preise gewinnen kann. Zudem ist die künstlerische Herangehensweise Anton Corbijns eine zwiespältige Sache.

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Der Niederländer kreierte die „Live/Alive In Berlin”-DVD im Stile eines Old-School-Tourfilms aus den 80er Jahren auf VHS-Tape, bei dem das Bild, sagen wir es mal so, eine untergeordnete Rolle spielt und nicht den heutigen Standards entspricht. Da ist es nur konsequent, dass eine Blu-ray gar nicht erst vorliegt. Dafür wurde dem Box-Set der „Delta Machine“-Longplayer als Audio-Blu-ray im 5.1 Soundmix beigefügt. Eine nette Spielerei. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das zentrale Anliegen der Fans dürfte nämlich der 130-minütige Konzertmitschnitt sein, der Depeche Mode live anno 2013/14 widerspiegelt.

Ganz klassisch besteht die Setlist aus vielen alten Hits und quantitativ gar nicht mal so halbherzig untergebrachten neuen Tracks, die das aktuelle Album promoten sollen. Das ergibt eine gute Mischung, um den aktuellen Karriereabschnitt zu dokumentieren. Doch am Ende will das Publikum doch nur die alten Kracher wie „Black celebration“, „Policy of truth“, „A question of time“, „Personal Jesus“ oder auch „Never let me down again“ hören, um die Band und sich selbst zu feiern. So läuft das eben heutzutage, wenn älter gewordene Fans ihrer Jugend hinterher schauen und das alte Lebensgefühl mit einem teuer bezahlten Konzertbesuch auffrischen.

„Live In Berlin“ kommt mit einem anständigen, aber etwas arg komprimiert wirkenden Sound daher. Eine gewisse Transparenz ist trotzdem vorhanden, sodass die Interaktion zwischen Band und Publikum gut eingefangen wird. Sänger Dave Gahan gibt den Takt vor und die Konzertbesucher greifen hier und da als großer Chor ins Geschehen ein. Was Anton Corbijn daraus auf der DVD gemacht hat, ist eine Sache für sich. Auf CD ist „Live In Berlin“ eine solide Live-Vorstellung, die an das großartige „101“ aus dem Jahr 1989 nicht heranreicht, für die Besucher der „Delta Machine“-Tour aber ein ganz nettes Souvenir abgibt. Begeisterungsstürme kann das Gesamtpaket aus zwei DVDs, zwei CDs und einer Blu-ray dennoch nicht auslösen.

Anspieltipps:

  • Heaven
  • I feel you
  • Soothe my soul
  • Personal Jesus
  • Shake the disease
  • A question of time
  • Never let me down again
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