Barbarisms - Barbarisms - Cover
Große Ansicht

Barbarisms Barbarisms


  • Label: Popup Records/CARGO
  • Laufzeit: 37 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Lo-Fi-Geschrammel, Indie-Rock und Songwriter-Kunst. Brüchig, seltsam, melodiös und schön!

Ein Amerikaner in Schweden ist Nicholas Faraone, der in erster Linie hinter dem Namen Barbarisms steht. Er lebt in Stockholm, wo er auf Tom Skantze und Robin Af Ekenstam traf, mit denen er das Debütalbum „Barbarisms“ aufnahm. Wobei sich dieses gar nicht so einfach gestaltete wie es sich liest, denn der Schlagzeuger Ekenstam hatte im Kampf gegen seinen Krebs die Amputation seines rechten Armes zu beklagen. Sie behalfen sich mit einer selbstgebastelten Prothese, die ihm erlaubte, weiterhin hinter den Trommeln zu sitzen und unbeeindruckt sein Schlagzeugspiel fortzusetzen.

Nicholas Faraone hatte sich in seiner alten Heimat an Singer/Songwritern wie David Berman (The Silver Jews), Dan Bejar (Destroyer) und Bill Callahan (Smog) orientiert. Während seiner Zeit in Paris stieß er auf Jeffrey Lewis und David Dondero, die ihn gleichermaßen beeindruckten. Jedoch war es ihm erst in Schweden möglich, mit den oben genannten Musikern seine Songs zu vollenden und entsprechend umzusetzen.

Und bereits der Opener „Easier All The Time“ ist ein an Lo-Fi-Charme und aufrichtiger Songwriter-Kunst kaum zu übertreffender Titel. Indie-Rock-Gitarren-Geschrammel, nasal-nölender Gesang, eine von Leiden in Leidenschaft kippende Melodie und das scheppernde Rhythmus-Fundament ergänzen sich zu einem wahrhaftigen Kleinod. Genauso brüchig schön setzt sich das Album fort, hinterlässt beim Zuhörer seine Spuren, der dabei auch an den frühen Vic Chesnutt erinnert wird, „Macaulay Culkin On Pizza“ und „Pail Of Water“ sind von jenem Spirit ergriffen.

Zudem hat er ebenso skurrile wie eigenwillige Texte, die „A Wash Of Teeth And Eyes“ oder „I Won The Nothing“ abhandeln. Sein Blickwinkel auf Frauen wie die amerikanische Journalistin und Schriftstellerin Katherine Anne Porter oder die Balletttänzerin Olga Khokhlova, die mit Pablo Picasso verheiratet war, ist auf bemerkenswerte Art mit seiner Lo-Fi-Verschrobenheit kombiniert. Hin und wieder werden auch Stimme und Akustikgitarre in den Mittelpunkt gerückt, das wunderbare „Explorer“ sei hier stellvertretend erwähnt.

Barbarisms stehen in der Tradition von Bands wie Smog, Guided By Voices und Built To Spill, mahnen auch an die Songwriter-Künste eines Richard Buckner, Vic Chesnutt oder Jason Molina. Allesamt mehr oder weniger schwierige Charaktere mit vielen Brüchen in den jeweiligen Laufbahnen, bei den zwei zuletzt Genannten gar mit frühen Todeszeitpunkten. Hoffen wir mal, dass Nicholas Faraone eine leichtere Fortsetzung seines Wirkens bevorsteht. Mit „Barbarisms“ hat er gemeinsam mit seinen Begleitern ein seltsam brüchiges, aber auch melodiös schönes Debüt auf die Beine gestellt!

Anspieltipps:

  • Easier All The Time
  • Macaulay Culkin On Pizza
  • A Wash Of Teeth And Eyes
  • Explorer
  • Olga Khokhlova

Neue Kritiken im Genre „Folk-Rock“
Diskutiere über „Barbarisms“
comments powered by Disqus