Thanatos - Global Purification - Cover
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Thanatos Global Purification


  • Label: Century Media/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Forrest Gumps des thrashenden Death Metal offerieren ihre nächste Schachtel Pralinen.

Seit 30 Jahren stehen Thanatos für pfeilschnellen Thrash Metal, der zuvor mit einer todesbleiartigen Substanz getränkt wurde, um den Einschlag in das Opfer doppelt schmerzhaft zu gestalten. Immerhin machen die Niederländer, die nach mehreren Rechte- und Labelproblemen, sowie einer damit einhergehenden zwischenzeitlichen Auflösung mit Album Nummer sechs in der Konstellation Stephan Gebédi (Gesang, Gitarre), Paul Baayens (Gitarre), Marco de Bruin (Bass) und Yuri Rinkel (Schlagzeug) antreten, ein weiteres Mal keine Gefangenen und bolzen bereits im eröffnenden Titeltrack mit Schallgeschwindigkeit durch den Gemüsegarten. Die angebotenen Thrash-Salven absolviert der Vierer technisch zwar astrein und mit dem anschließenden Nachschlag „The murder of innocence“ sorgen die vier Herrschaften für durchschlagende Argumente beim Verdreschen der Felle und beweisen ihr Gespür für variables Riffing, sodass auch einige Slayer- oder Bolt Thrower-Fans ihre Ohren spitzen dürften, doch die Neuerfindung des Rades stellen die donnernden Songs auf keinen Fall dar.

Ihre großen Stärken liegen dafür in wuchtig inszenierten Zerstörungsaktionen, bei denen der Hörer zu keiner Sekunde weiß, wie ihm geschieht. Diese detaillierten Achterbahnfahrten manifestieren sich auf „Global Purification“ in der verstärkten Einbindung des Death Metal und einem Spielwitz, der neben abgrundtiefen Growls und ein paar Sekunden langen Beinahe-Grindcore-Anfällen („Queen of gore“), auch urplötzliche Wechsel in schleppende Gefilde („Infestation of the soul“), groovende Nackenzwirbler („Nothing left“) oder langsam heranrollende Panzerdivisionen, die alles unter ihren Doublebass-Ketten begraben („The demonized minority“), zur Folge hat. Mitunter treiben es Thanatos sogar so bunt, dass man angesichts der beiläufigen Riffspielchen („Blood will be spilled“) und durchschlagenden Argumente von Drummer Yuri („Feeding war machine“) gar nicht anders kann, als eine diebische Freude daran zu entwickeln, jede Nuance und Ecke der Platte zu erforschen.

Dieser Entdeckungsdrang macht sich zwar nicht immer bezahlt und so wird man z.B. bei „World jihad“ und „Bastion of blasphemy“ nur mit astreinen Dampfhämmern belohnt, die lediglich an Schutt und Asche interessiert sind und die Nähe zu ihren Landsmännern Legion Of The Damned, Hail Of Bullets und Asphyx offenlegen, auch wenn die beiden letztgenannten Gruppierungen deutlich dreckiger und rauer ans Werk gehen und die Produktion von „Global Purification“ gerne die eine Ecke oder Kante mehr vertragen hätte. Doch was will man bei einem Album, dessen übergeordnetes Konzept „Wir leben in einer abgefuckten Welt, das kann man einfach nicht leugnen. Um uns herum gibt es Gewalt, Folter, Vergewaltigung, Angst und Unterdrückung. Alles im Namen Gottes, Allahs oder welchen Namen auch immer man verwenden mag... Menschen töten einander für imaginäre Götter, es gibt Tierquälerei, Kindesmissbrauch, Kriege und Konflikte“ lautet, anderes als die totale Zerstörung erwarten? Eben!

Anspieltipps:

  • World Jihad
  • Queen Of Gore
  • Infestation Of The Soul

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