Duct Tape - Less We Can - Cover
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Duct Tape Less We Can


  • Label: BBE/ALIVE
  • Laufzeit: 37 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Zurück in die Zukunft: Duct Tape lieben Soul, Jazz und Funk und bedienen sich der Errungenschaften moderner Aufnahmetechnik, um ein zeitloses, psychedelisches Black-Music-Produkt zu gestalten.

Duct Tape sind das Duo Wynton Kelly Stevenson und Britt Traynham. Britt ist unter dem Namen DJ Batsauce als Underground HipHop-Produzent tätig und hat auch die vorliegenden Einspielungen betreut. Wynton spielt Harmonika und Synthesizer, betätigt Beat- und Bass-Box und singt. Ihm liegt daran, alte und neue Klänge zusammenzubringen, um dadurch ein neues, ausgleichendes Format entstehen zulassen. Er ist übrigens der Sohn des Gitarristen und Songwriters Rudy Stevenson, der unter anderem einige Jahre mit Nina Simone zusammengearbeitet hatte. Wynton und Britt haben sich vor etwa sieben Jahren in Berlin kennengelernt. Was sie spontan verband, war ihre gemeinsame Vorliebe für klassischen Soul. In über 100 Sessions ist jetzt ihr erstes Projekt entstanden. Obwohl viel mit Samples, Effektgeräten und Drum-Computern gearbeitet wurde, wirkt das Ergebnis recht organisch und warm. Der Gesang wird so angesetzt, dass man ihn nicht eindeutig geschlechtlich zuordnen kann. Die Atmosphäre erinnert oft an Einspielungen der Dub-Blues-Combo Little Axe, ohne allerdings deren massive Blues-Grundierung zu besitzen.

Die Show startet mit einem lässigen Beat, der von Bruce Springsteens „Streets Of Philadelphia“ übernommen sein könnte. Man wird unverkrampft in den Sound-Kosmos von Duct Tape aufgenommen, fühlt sich sofort wohl und ist gespannt, wie es weiter geht. „Don't Stop” wird mit Dub-Elementen und Thriller-Soundtrack-Atmosphäre angereichert, während „Party“ seinem Namen durch einen unwiderstehlichen, dabei aber unaufdringlichen Groove alle Ehre macht. „Times Are Changing” und „It's All Love” spinnen den Faden mit Psychedelic-Soul weiter und öffnen ein neues buntes, farbiges Fenster. Moderat modern, mit leichten HipHop-Zutaten, lotet „Above The Clouds“ aus, was man von angesagten Musik-Formen nachhaltig verwerten kann. Das ist übrigens der einzige Song, der die 3-Minuten-Grenze reißt. Duct Tape übertreiben es nicht mit der Ausdehnung bei der Vermittlung von Höreindrücken. Sie variieren lieber öfter die Themen, bevor es langweilig wird. Dröhnende Bass-Spuren bilden die Basis von „Get Up And Groove“ und erstmalig wird hier das Mundharmonika-Talent von Wynton Kelly Stevenson kurz hörbar. Das Titelstück ist dann eigentlich nur ein kurzes Intermezzo, das für sich allein stehend eher unbedeutend ist, aber die Überleitung zum nächsten interessanten Stück („Bad Man“) vorbereitet. Wie eine Dampflokomotive poltert das Thema des Songs voran, unaufhaltsam und die Sinne betäubend.

Den Verstand verliert man endgültig mit „Lost My Mind“, bei dem Sly & The Family Stone und Prince eine unheilige Allianz eingehen. „Help“ befreit dann nicht aus der Sinnkrise, dafür sind die Strukturen zu verschwommen. Die minimalistische Vorgehensweise erinnert sogar entfernt an den Krautrock von Can. „You Can't Find Me” wirft mehr Fragen auf als es beantwortet: Stimmt hier irgendetwas mit der Wahrnehmung nicht? Laufen da unterschiedliche Klangspuren gleichzeitig ab? „It`s Bad“ holt den Hörer dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und wird durch einen strammen Rhythmus geerdet. Von der Erde geht es schnurstracks in den Weltraum. Ein spaciges Motiv begleitet das kurze Zwischenspiel mit Namen „Not Enough“. „I Don't Care” präsentiert sich anschließend als ein zurückgelehnter, vernebelter Schleicher und will einfach nur cool rüberkommen. In der Zielgerade setzt „Adhesive“ auf harte Funk-Grooves, kann damit aber keinen zusätzlichen Mehrwert einfahren.

Duct Tape haben ein Qualitätsprodukt veröffentlicht, das durch seine Verschmelzung von alten Tugenden und neuen Errungenschaften den Eindruck vermittelt, zeitlos elegant zu sein. Die Zugehörigkeit zu einem Genre lässt sich nicht eindeutig belegen. Man kann die Sounds genauso unter Chill-out wie unter Modern Rhythm & Blues einordnen, letztlich wird dem Spektakel aber keine Kategorisierung gerecht. Das macht die Aufnahmen auch so interessant. Ihre Mehrdeutigkeit führt dazu, dass die Aufmerksamkeit über die gesamte (zu kurze) Laufzeit erhalten bleibt, weil man ständig das Gefühl hat, einer frischen musikalischen Verbindung zu lauschen, obwohl einige Déjà-vu-Erlebnisse vorhanden sind. So sollte moderne Groove-betonte Musik aufgebaut sein: Spannend, unterhaltsam, abwechslungsreich und auf Roots aufbauend. Macht Spaß, das Ganze.

Anspieltipps:

  • Start The Show
  • Don`t Stop
  • Times Are Changing
  • Get Up And Groove
  • It`s Bad

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