Mambo Kurt - Weihnachten - Cover
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Mambo Kurt Weihnachten


  • Label: Metalville/Rough Trade
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie ein Plastikweihnachtsbaum, der Feuer gefangen hat. Der Musiker aus Hagen macht Weihnachten endgültig trashig.

Fröhliche Trash-Weihnachten wünscht die größte Heimorgel-Koryphäe Nordrhein-Westfalens, nein Deutschlands, nein der ganzen Welt, nein das ganzen Universums! Und das kann ja nur Mambo Kurt sein, selbstverständlich. Der Alleinunterhalter, Chirurg und Wacken-Stammgast fand offenbar eine Lücke in seinem Schaffen und entschied sich flugs dazu, diesem ein wenig Weihnachtsatmosphäre zu verleihen. Man kennt das ja: Kaum ist der September zu Ende, schon finden sich die ersten Zimtsterne im Sortiment vom Penny und wer nicht ganz der schönsten Zeit des Jahres abgeneigt ist - übrigens mehr Leute, als man denkt - gerät direkt ins Schwärmen und gibt sich vor der Glotze Klassiker wie Kevin allein zu Haus, Die Geister die ich rief, Gremlins oder Ist das Leben nicht schön. Vanillekerzen brennen, Dominosteine liegen schwer im Magen, die Stimmung ist super und überhaupt ist alles gemütlich, besinnlich und sowieso. Hier setzt Rainer Limpinsel aka Mambo Kurt an.

Sein eiserner Befehl: Glotze ausschalten, die ewigen Wiederholungen verschieben und brav sein neues Album, welches den kreativen Namen „Weihnachten“ trägt, einlegen. Da gibt es die großen Klassiker, die von uns allen geliebt/gehasst werden, in unwiderstehlicher Heimorgel-Ästhetik, viel Schmackes, Trash, Charme, trashigem Charme, charmantem Trash und überhaupt so, dass man „Weihnachten“ gerne einlegen will, wenn es in den Läden vor den Kassen voll wird, aber wie bei jedem Weihnachtsalbum einer bekannten Band elf Monate aussetzt. Verdammt, es ist ein fucking Weihnachts-Album! Es funktioniert einen Monat lang, vielleicht zwei oder drei, wenn man ganz hart ist. Okay, dann funktioniert es aber auch. Zudem hat Mambo Kurt selbstverständlich den 14 Klassikern grundsätzlich einen eigenen Stempel aufgedrückt, damit es extra besinnlich und spannend wird. Highlights sind da zum Beispiel das von Reggae beeinflusste „Oh du fröhliche“, „Merry X-mas Everybody“ („When you land upon your head then you'll be Slayeeeeeeer“) oder Rolf Zuckowskis Smash-Hit „In der Weihnachtsbäckerei“, welcher als Chiptune-Version die älteren Hörer an ihre NES- oder Sega-Master-System-Geschenke unter dem Weihnachtsbaum erinnert und sowieso in Kindergarten, Grundschule oder Knast bis zum Gehtnichtmehr durchgenudelt wurde.

Mambo Kurts teilweise schiefer Gesang ist in Verbindung mit seiner Heimorgel das Salz in der Suppe. Songs wie „Stille Nacht“ oder „Oh du fröhliche“ sind natürlich wohlbekannte Klassiker, die gerade durch das Vorwissen und Auswendigkennen besonders wirkungsvoll sind und irgendwo zwischen Lachkrämpfen und echter Besinnlichkeit liegen. Das ist sowohl Segen als auch Fluch für „Weihnachten“: Was genau will es vom Hörer und was will es dem Hörer geben? Zwischen Lachnummer und (streng genommen) Konzeptalbum liegt hier eine dünne Grenze und es ist schwer zu sagen, wann „Weihnachten“ gut wird, ob es als echtes Weihnachtsalbum oder als Parodie wirkungsvoll ist. Gerade mal beim ohnehin trashigen „Last Christmas“ von Wham! wird es klar. Das ist zum Beispiel im Original eine solche Tortur, dass man seine Konfession wechseln will - Mambo Kurt verschlimmbessert oder verbesserschlimmert es und trifft dabei voll ins Schwarze. Eines der viel zu seltenen Male auf „Weihnachten“. Fans der Heimorgel-Monstrosität greifen allerdings dennoch zu und freuen sich über das unvergleichbare Talent des lustigen Hageners - egal ob zu Weihnachten oder sonst. Für alle anderen ist „Weihnachten“ eher ein Kuriosum, das kurzzeitig lustig und unterhaltsam ist und dann schnell in Vergessenheit geraten wird.

Anspieltipps:

  • Oh du fröhliche
  • Do They Know It's Christmas
  • Jingle Bells
  • In der Weihnachtsbäckerei
  • Santa Claus Is Coming To Town

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