Biblo - Absence - Cover
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Biblo Absence


  • Label: C.Sides/Rough Trade
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
9.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Aufwühlend, einnehmend und trotzdem besinnlich und ruhig.

Im besten Fall funktioniert Musik wohl so, dass der Künstler dem Hörer einen Zugang ermöglicht, ohne dass die Entstehung und die Hintergründe erzählt werden müssen. Der Hörer hat dann die Möglichkeit, seine eigenen Assoziationen, Gefühle und Gedanken in die Musik hineinzuinterpretieren. Künstler und Hörer treffen sich sozusagen in der Mitte und bringen beide ihre Geschichten mit. Manchmal aber sind die Umstände so gravierend, dass der Hörer eine Basis braucht.

Im Falle von Biblo, eigentlich Pinar Üzeltüzenci aus Istanbul, ist die Basis so persönlich und gleichzeitig so symbolisch für eine ganze Gesellschaft, dass sie erzählt werden muss. Biblo entschied sich, im Jahr 2013 einen Neuanfang in Berlin zu wagen, musste aus Visumsgründen zurückkehren und reiste mitten in die Gezi-Proteste hinein. Ihr Album „Absence“ fasst schon im Titel zusammen, was diese Zeit für sie bedeutete. Die Musik erlaubt ihr, diesen Gefühlen freien Lauf zu lassen.

„Absence“ steht für „die Abwesenheit von Verlangen, die Abwesenheit von Wurzeln, die Abwesenheit von Bedeutung und die Abwesenheit von Gerechtigkeit“, wie Biblo selbst erklärt. Worte können wohl kaum beschreiben, wie sich diese Abwesenheit anfühlt. Musikalisch klingt es intensiv, sensibel, beunruhigend, meist ruhig und schlummernd, mal untermalt mit aufwühlendem Elektrobeat, immerzu einnehmend. Sanft dahinter: Biblos tranceartiger Gesang. Dazu ein schwarzes Cover und Lieder mit Namen wie „Wall of Fear“, „Hell sent“ und „Rot“.

Die dreizehn Titel, die eine knappe Stunde füllen, können nicht nebenbei gehört werden. Sie können auch nicht gehört werden, um Glücksmomente heraufzubeschwören. Doch trotz ihrer Schwere und Intensität sind sie nicht gänzlich melancholisch, sie sind auch nicht nur deprimierend. In der richtigen Stimmung bringen sie den Hörer auf ein abstraktes Level von Selbstwahrnehmung, in eine surreale Welt. Alles, was der Hörer tun muss, ist, seine eigene Geschichte mitzubringen. Man trifft sich in der Mitte - und hebt ab.

Anspieltipps:

  • Immune
  • Risk
  • Doom Machine
  • Hyperstasis

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