Oonagh - Oonagh (Attea Ranta Second Edition) - Cover
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Oonagh Oonagh (Attea Ranta Second Edition)


  • Label: Electrola/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 66 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Peter Jacksons Herr der Ringe? Wohl eher Bad Taste oder Braindead.

Peter Jackson hat es vorgemacht: Immer wieder wurde seine Herr-der-Ringe-Trilogie als Extended Edition herausgebracht, immer wieder gab es häppchenweise neues Material dazu und immer wieder passierte es zur Vorweihnachtszeit. Und wer, wenn nicht Herr Jackson, könnte für Oonagh und Oonaghs Produzenten ein Vorbild sein? Passenderweise zeichnet er auch für Bad Taste und Braindead verantwortlich - ebenfalls sehr passende Titel, zumindest oberflächlich gesehen, für Oonagh. Der einzige Unterschied ist, dass Der Herr der Ringe gut ist und Senta-Sofia Dellipontis Debütalbum definitiv nicht, dass man bei der Qualität der Jackson-Trilogie gerne ein Auge zudrückt und Oonagh eben nicht ein Peter Jackson ist, sondern vielmehr George Lucas oder Steven Spielberg, die ihr bisheriges Schaffen eindrucksvoll zu vergewaltigen wussten. Neee, Stopp: Das wäre auch unfair, bei „Oonagh“ gab es nicht mehr viel zu verschlechtern. Das war konstant schlecht und bleibt konstant schlecht. Was bleibt also? Eine im Reagenzglas gezüchtete Elfe, eine Daily-Soap-Esoterikerin, das Barmädchen in der nächsten Hafenschenke, welches Santiano zwischen eigenem Konzert und einem Auftritt bei Helene Fischer (Was denn? Überrascht???) ansteuern. Holt den Met aus'm Rewe, füllt die Humpen, liebe Leute! Bald schon ist Weihnachten, die große Werbeunterbrechung hat gerade erst begonnen!

Und ja: Man kennt das zur Genüge. Zur Weihnachtszeit wird abkassiert, Best-ofs überschwemmen den Markt, Oma und Opa sollen für die Enkelkinder Spontan-/Fehlkäufe machen. Hier setzt „Oonagh (Attea Ranta Second Edition)“ an und so mancher Hörer dürfte sich ernsthaft fragen, wie blöd man doch eigentlich sein muss, das ursprüngliche Album bereits im nicht wirklich lukrativen Januar auf den Markt zu bringen. Eine gute, berechtigte Frage, welche aber egal wird, wenn es am Ende des Jahres sowieso schon wieder erscheint und es nun mal Fakt ist, dass zwei CDs streng genommen zwei Mal Geld machen. Die „Attea Ranta Second Edition“ kommt immerhin mit sechs neuen Songs und immerhin 20 Minuten mehr Spielzeit aus. Ob es sich hier um wirklich neue Aufnahmen handelt oder um dem Hörer bewusst vorenthaltenes Material, welches gezielt für die „Attea Ranta Second Edition“ gespart wurde, kann man nur erahnen und es ist ja auch irgendwie wurst. Selbst einigen Fans scheint die Veröffentlichungspolitik des Re-Releases zu missfallen, wie man unter diversen Facebook-Posts lesen kann. Ganz kurz: Leute, Oonagh hat doch gar keine Schuld oder denkt ihr, sie habe ein Mitspracherecht? Da kann sie hundert Mal schreiben, dass bei der Veröffentlichung „Attea Rantas“ ihr „Wunsch in Erfüllung gegangen ist“. Ich für meinen Teil würde keinem Mädel trauen, welches zuerst einen peinlichen Punk-Popper wie „Scheißegal“ veröffentlicht hat und jetzt das Deck des Santiano-Klapperkahns schrubben muss. Denkt mal drüber nach!

Neben der vokalen Minderheit gibt es ja sowieso eine Dunkelziffer an potentiellen Käufern, die sich das Teil zum zweiten Mal zulegen. Wer bisher noch nicht seine Chance ergreifen konnte, Senta-Sofia in ihren entrückten Sphären zu besuchen und einfach mal wieder - haaaaaaaach - zu träumen, sollte jetzt zugreifen. Es sei denn, es handelt sich beim Käufer um einen Sammler. Aber die Werbespots zu einem Album wie diesem, sollen und wollen keine Musiksammler erschaffen. Ob es bessere Alternativen zu Oonagh gibt? Scheiß drauf! Immerhin ist das Argument, dass einem die Musik nun mal gefällt, unumstößlich. Die sechs neuen, sich allesamt unter einer Spielzeit von vier Minuten bewegenden Songs, werden daran nichts ändern. Da gibt es ruhiges Material („Undomiel“, „In den Gärten von Valinor“, „Varda Tiras“), flotteres bzw. aus der Bumsbeathölle schlimmster Rednex-Erinnerungen beschworenes Ethno-Dorfdisco-Zeug („Eldamar“, „Ariën“) und selbst das adventliche „Es kommt ein Schiff geladen (Túla cirya, penquanta)“ darf Oonagh bilingual trällern. Es ist übrigens zu bezweifeln, dass Elfen/Elben Weihnachten feiern, aber es kommt das Wort Schiff vor und Schiff bedeutet Fernweh und Fernweh bedeutet Geld von der Zielgruppe.

Überhaupt wird in den Lyrics der Tolkiensche Trivialmythos gerne mal mit einem Wort wie Elysium verbunden. Wieso nicht, wenn man davon ausgehen kann, dass die Hörer griechische Mythologie lediglich vom letzten Pauschalurlaub auf Rhodos und dann auch nur vom Namen des hiesigen Gyrosmanns kennen? Außerdem hört es sich mystisch und cool an. Das verhält sich ein wenig so wie die oft genutzte Standardvokabel „vogelfrei“ im deutschen Schlager. Alle finden die so schön, aber keiner hat eine Ahnung davon, was das wirklich bedeutet. Fragt Robin Hood, das ist der Typ aus diesen Filmen. Noch was? Achja, das Cover-Artwork hat man farblich schnell wärmer und in Rottöne gephotoshopt. Fällt eh nicht auf und wieso die Hörer mit einem neuen Coverbildchen überfordern? Die schwelgen gerade in ihrem Billig-Eskapismus, den Unheilig, Faun oder Santiano nur allzu gerne bieten. Die Räucherstäbe-sind-mystisch-Fraktion, RTL2-Hobby-Hexen, aber auch - und das hat die Erfahrung gezeigt - Metaler, denen man verklickern konnte, dass Mittelalter bzw. Mittelalter Rock allen Ernstes zum Genre des Folk Metals gehört, greifen natürlich trotzdem gerne zu. Ein musikalisches Valinor werden diese sowieso nie erreichen, aber auf dem Meeresgrund ist genug Platz für alle, die sich zusammen mit einem Werk wie „Oonagh“ bzw. „Oonagh (Attea Ranta Second Edition)“ verweigern.

Anspieltipps:

  • Varda Tiras

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