Benjamin Schoos - Beau Futur - Cover
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Benjamin Schoos Beau Futur


  • Label: Freaksville/INDIGO
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

French-Pop eines Belgiers als buntes, aber ernstzunehmendes Überraschungs-Ei.

Ob es einen französisch singenden Belgier beleidigt, wenn wir ihn unter French-Pop einsortieren? Benjamin Schoos ist nicht nur Sänger und Komponist, sondern betreibt außerdem das Label Freaksville, auf dem er auch seine eigenen Alben herausbringt. Für das vorliegende „Beau Futur“ hat er sich wieder einige Gäste eingeladen, um seine Klangvorstellungen umzusetzen. Darunter sind April March, Laetitia Sadier (Stereolab), Michel Moers (Telex), Alain Chamfort und James Doviak.

Wiederholt rückt Schoos‘ Sprechgesang ins Zentrum der Songs und erinnert damit unwillkürlich an Serge Gainsbourg. Sich bei diversen Genres zu bedienen, verbindet ihn ebenfalls mit dem längst verstorbenen Lebemann. Zudem setzt er opulente Streicherarrangements ein, die phasenweise an Gainsbourgs Meisterwerk „Melody Nelson“ mahnen. Zudem bringt einem der Einsatz von weiblichen Stimmen die Duette von Jane Birkin & Serge Gainsbourg ins Gedächtnis zurück.

Trotz der vielen Gemeinsamkeiten, hat Schoos ein eigenes Profil und alleine die Klangtechnik ist naturgemäß eine andere als zu Lebzeiten des berühmtesten Gitanes-Rauchers der Welt. Der Belgier überführt Chanson, Elektro, Synthie, Jazz, Science Fiction, New Wave, Indie, Space, Streicher und Pop in homogene Songs, die mal verspielt, mal opulent, mal romantisch, mal quicklebendig aus den Boxen sprudeln.

Immer wieder treffen Eleganz auf bunte Pop-Elemente, Nonchalance auf lichte Klänge, das Aparte auf Leichtigkeit, das Männliche auf das Weibliche. Besonders letzteres haucht den zwischen Song, Chanson und Pop schwankenden Liedern das gewisse Etwas ein. So trifft bei „Dernier danse“ die Coolness von Laetitia Sadier auf das herb-gehauchte von Schoos oder bei „J’ai essaye de t’aimer“ das Schwelgerische auf das Melodisch-Verspielte, wozu die Stimme von April March wesentliches beiträgt.

Dagegen vermählen sich auf „Dans les bras de la nuit“, „L.A. Dodge Viper“ und „La grande aventure“ Synthie-Schwaden mit opulenten, dunkel-melancholischen Streichern. Sixties- und Plastik-Plüschpop finden im Titelsong zueinander und es wird sogar geflötet. Und das farbenfrohe Treiben geht bis zum Ende so weiter. „Beau Futur“ ist ein buntes Überraschungs-Ei, das aber nicht nur als Süßigkeit mit Spielzeug, sondern als ernstzunehmendes Pop-Album bestehen kann. Monsieur Gainsbourg wäre sicherlich angetan. Und Benjamin Schoos nicht beleidigt.

Anspieltipps:

  • Dernier danse (feat. Laetitia Sadier)
  • L.A. Dodge Viper (feat. La feline, feat. Jacques Stotzem)
  • La grande aventure
  • J’ai essaye de t’aimer (feat. April March)

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