Adrian Crowley - Some Blue Morning - Cover
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Adrian Crowley Some Blue Morning


  • Label: Chemikal Underground/Rough Trade
  • Laufzeit: 47 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Sei du selbst“, hätte Crowleys innere Stimme ihm häufiger flüstern sollen.

Adrian Crowley ist nicht Leonard Cohen. Diese Aussage ist in Anbetracht von „Some Blue Morning“ nicht als selbsterklärend zu betrachten. 15 Jahre sind seit Crowleys erstem Album vergangen, doch wirklich aus dem Schatten seiner Vorbilder ist der gute Mann nie gesprungen. Ansatzweise traut er sich selbst ins Licht und wirkt nicht bloß wie ein Verehrer besagten Cohens und weiterer Meistern ihres Faches wie Lee Hazlewood und Lou Reed. Diese Momente sind zwar stark genug, um die eigene Karriere zu rechtfertigen, doch mit der Zeit werden die gleichen Fehler nicht unbedingt verzeihbarer.

Am meisten leidet der Künstler selbst unter der Ähnlichkeit zu besagten Herren. Ein „Some Blue Morning“ und mit Abstrichen auch „The Hungry Glass“ und „The Stranger“ sind solche Titel, die stets nur an die Vorbilder erinnern. Selbst wenn kein Gesprächspartner vor Ort ist, wird der innere Monolog einhalten, dass diese Lieder doch wie die jeweiligen Vorbilder klingen. Die eigene Note rückt stark in den Hintergrund, was der Musik die nötige Identifikation abhandenkommen lässt. Wenn Crowley sich dann doch aus eigener Kraft zu betätigen scheint, liegen seine Kompositionen allerdings nicht immer stärker im Ohr als der vermeintliche Abklatsch.

Aber auch wenn „The Angel“ nicht packen kann und das Spoken Word-Stück „The Wild Boar“ völlig unnötig erscheint, werden Hörer durch „Follow If You Must“ und „Golden Palominos“ wieder versöhnt. Das letztliche Bild dieses Albums ist deswegen jedoch auch sehr verzerrt, weil sich gewissermaßen zwei zwiegespaltene Künstler auf „Some Blue Morning“ vereinen. Der Imitator, dem mal alles gelingt und der dann wieder zu deutlich nur kopiert, und der eigenständige Songwriter, der nicht immer sein Selbstbild in die Musik transportieren kann. So rigoros Hörer bei „The Wild Boar“ zur Skip-Taste greifen möchten, so sehr lädt sich ein „Golden Palominos“ für die beruhigende Dauerschleife ein. Es ist nie gewiss, was nun mit dieser Platte angefangen werden soll, was eine passende Spiegelung der Zerrissenheit des Künstlers darstellt. Auch wenn das sehr wahrscheinlich ungewollt passiert ist.

Anspieltipps:

  • Golden Palominos
  • Follow If You Must
  • The Hatchet Song

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