Antemasque - Antemasque - Cover
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Antemasque Antemasque


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 35 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Das texanische Duo kommt mit einer veritablen Überraschung um die Ecke.

Dass sich The Mars Volta am Ende ausgenudelt hatte und ein Schlussstrich gezogen werden musste, okay. Kein wirkliches Geheimnis, dass die letzten Veröffentlichungen nicht an die Kraft und Finesse der ersten heranreichen. Dass das dynamische Duo Omar Rodríguez-López und Cedric Bixler-Zavala älter wird, den stoischen Bitten und handfesten Verlockungen irgendwann nachgeben würde und At The Drive-In-Reunion-Festivalshows spielt, das war schon irgendwie abzusehen. Was aber nicht abzusehen war, ist das hier.

Den Post-Hardcore-Legenden, die nach dem Genre-Meilenstein „Relationship Of Command“ aus At The Drive-In das Experimental-Psych-Rock-Monster The Mars Volta machten (und die übrigen Kollegen das die Zeitläufe nicht überdauernde Emo-Outfit Sparta), hätte man sicherlich einiges zugetraut. Aber breitbeinigen Pathos-Prog-Rock? Voller Hymnen, knapp gehaltenen Melodieläufen, 80er-Jahre-Glam-Rock-Momenten und maskulinen Pathos, Pathos, Pathos?

Man wollte seinen Ohren nicht trauen bei den ersten Durchgängen (das Album ist bereits im Sommer in den Staaten erschienen und war lange Zeit streambar). Nun das Album in Gänze sezieren zu können, lässt immer noch den Kopf schütteln: Das Drumming ist Punkrock alter Schule; die Riffs tatsächlich Cowboy-Hosen-Prog bis Classic Rock - und das bei Mr. Underground, Omar Rodríguez-López; der Gesang - wer hätte das bei Cedric Bixler-Zavala jemals für möglich gehalten - breitbeinige, maskuline Ergriffenheit, in den Himmel geschriener Überschwang.

Die Entstehungsbedingungen hört man: Der Opener, 4AM, war das erste musikalische Zeugnis dieses Projekts. Es ist ihr bester Song. Eines der Rock-Riffs des Jahres. Die interne Resonanz so gut, dass man sich entschloss, aus dem Jam heraus ein Album zu wagen. Am Bass im Studio, wie schon zu Mars Volta-Zeiten, wieder Flea von den Chili Peppers. Antemasques Debüt beginnt wie ein unwiderstehlicher Gefühlssturm und fällt in der zweiten Albumhälfte deutlich ab, nur der Closer „Rome Armed To The Teeth“ reißt es wieder raus. Wäre das ganze Album wie die ersten vier Songs und der Closer, wir hätten ein echtes Rock-Monument. Doch für einen erneut gelungenen Neubeginn des dynamischen Duos, dem die Bandmitglieder weiterhin zu früh wegsterben (jüngst Isaiah „Ikey“ Owens, als Tourkeyboarder Jack Whites), reicht es allemal. Schön, dass die Doppelnamen-Dudes uns noch überraschen können.

Anspieltipps:

  • 4AM
  • I Got No Remorse
  • In The Lurch
  • Rome Armed To The Teeth
  • Ride Like The Devil's Son

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