The Deathtrip - Deep Drone Master - Cover
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The Deathtrip Deep Drone Master


  • Label: Svart Records/CARGO
  • Laufzeit: 43 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn ein Sänger zum großen Verkaufsargument wird.

Zwei-Mann-Projekte gibt es im Black Metal alle Nase lang und sie gehören da sogar fast schon zum guten Ton. Entsprechend sollte es niemanden verwundern, dass auch die norwegisch-britische Freundschaft The Deathtrip gerade mal ein Duo ist. Paul Groundwell aka Host macht hier mit einem gewissen Bjørn Dencker Gjerde gemeinsame Sache. An dieser Stelle wird es spannend. Gjerde ist nämlich besser unter seinem BM-Pseudonym Aldrahn bekannt und mit Aldrahn ist bei The Deathtrip eine echte gesangliche Koryphäe am Start: Dodheimsgard, Thorns, Zyklon B oder Old Man's Child sagen eigentlich so ziemlich alles und es wäre nicht übertrieben zu erwähnen, dass Aldrahn dafür sorgte, dass die Alben, auf denen er mitwirkte, in der Szene und bei den Fans eine besondere Stellung haben. Die Spannung steigt da natürlich, wenn „Deep Drone Master“ an einstige Glanztaten erinnern will und es nach dem kurzen Vogelzwitscher-Intro ans Eingemachte geht.

Und ja: Aldrahn ist noch immer eine einzige Zerstörungswut. Direkt in „Flag Of The Betrayal“ meldet sich der Herr, mal abgesehen von jeweils einer Demo im Jahre 2008 und 2010, geschlagene 12 Jahre später endlich wieder mit allen Stärken zurück. Nachdem er sein Comeback zackig gestaltet hat, wird es mit „Dynamic Underworld“ direkt sphärisch, unheimlich und sehr viel böser. Hier bewegen sich The Deathtrip in den Klassenraum der Old School zurück, um dort Tische und Stühle durch die Gegend zu werfen - gleichzeitig bekommen Songs wie „Cocoons“, „Making Me“ oder „Syndebukken“ einen sehr modernen Stempel aufgedrückt. Beinahe versucht man hier, beliebte avantgardistische Elemente unterzubringen, zieht glücklicherweise aber immer dann die Bremse, wenn der Selbstzweck droht. Der Kontrast entsteht schließlich, wenn sich „Something Growing In The Trees“, das Doublebass-Monstrum „Cosmic Verdict“ (trotz Drum Machine) oder „Sewer Heart“ ganz tief in die unheiligen 90er-Jahre bewegen und The Deathtrip eher zum Timetrip werden. Klar liegen Aldrahns Wurzeln eher dort, aber gerade sein Kollege Host hätte als Doom-Kundiger gegensteuern müssen.

Deshalb ist ironischerweise „Deep Drone Master“ eines dieser Alben, bei dem sich in Sachen Old School ein wenig Kalkül zeigt - und das, obwohl es sich hier eigentlich um das „Original“ handelt und nicht um eine junge Band, die ihren Helden nacheifert. Natürlich ändert dies nichts daran, dass Aldrahn nach wie vor zur Speerspitze der Black-Metal-Vokalisten gehört und nach 12 Jahren Abstinenz nichts verlernt hat. Und alleine das sollte gerade für ausgehungerte Fans des Norwegers ein Kaufgrund sein. Wer Bjørn Dencker Gjerde allerdings zu seiner Blütezeit kennen lernen will, sollte zuerst zu seinen vergangenen Arbeiten greifen und sich langsam zu The Deathtrip vorarbeiten. Dann geht die Idee von „Deep Drone Master“ auf: Ein Album für Fans, ein wenig Fanservice, alles auf angenehme Weise solide, jedoch nicht grandios oder ansatzweise bahnbrechend.

Anspieltipps:

  • Dynamic Underworld
  • Cosmic Verdict
  • Syndebukken

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