Sleep Of Monsters - Produces Reason - Cover
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Sleep Of Monsters Produces Reason


  • Label: Svart Records/CAQRGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Immer wieder durchbricht ein echter Hit die Generik. Aber reicht das?

An dieser Stelle zu sagen, Finnland wäre besonders für Subgenre X oder Y im Metal bekannt, wäre falsch, denn streng genommen kommt viel aus dem Norden und viel ist gut und einiges davon sogar so gut, dass man als Metaler sagen kann, dass Finnland das Mekka für den Langhaarzottel ist. Neben Symphonic-, Power-, Black- und Death-Metal gibt es dann immer wieder gotische Beiträge aus dem Land der Seen. Solch einer ist Sleep Of Monsters, eine mit sechs Köpfen relativ große Band, welche sich für ihr „Produces Reason“ zudem noch drei zusätzliche Sänger geladen hat. In Sachen Effekthascherei ist dann auch der erste Punkt direkt erfüllt. Tatsächlich drehen die Musiker erst dann richtig auf, wenn es in Richtung Genre-Einordnung geht.

Victorian Post Punk. Fin-de-Siècle Proto-Metal. Pre-Raphaelite Psychedelia. Jugendstil Occult Rock. Ja, genau: Sleep Of Monsters erfinden genau diese „Subgenres“ für ihre Musik und versuchen sie so auf den Punkt zu bringen. Somit gibt es gleich vier zusätzliche Pseudo-Stile, welche den Kritikern von Schubladendenken unzählige Barrel Öl ins Feuer kippen. Und um mal ganz ehrlich zu sein: Jene Kritiker hatten selten mehr Recht denn bei Sleep Of Monsters. Aber vielleicht sollte der Hörer das alles auch nicht ernst nehmen. Geht auch. Dann bleibt immerhin ein bunter Genremix bestehend aus Gothic-Rock und -Metal, sehr, sehr, sehr zaghaftem Doom, elektronischen Spielereien (ohne dabei zu sehr in Darkwave-Gefilde einzudringen) und einem beinahe durchgängigen Pop-Vibe. Und generell tun die Kompositionen auf „Produces Reason“ eigentlich keinem weh. „Nihil Nihil Nihil“, „Abomination Street“ oder „Our Savage God“ sind zum Beispiel eher unspektakuläre Rocker, welche dennoch ihre Arbeit machen und Laune bringen. Hier gehen die Finnen generisch vor und kopieren lieber gut, anstatt schlecht zu erfinden. Die wirkliche Stärke der Band zeigt sich dann, wenn es ruhig und opulent zugeht. Gerade deshalb tanken Sleep Of Monsters bei Songs wie „Murder She Wrote“, „Christsonday“, „Magick Without Tears“ oder „Horses Of The Sun“ Qualität. Atmosphäre wird dann großgeschrieben. Hätten Sleep Of Monsters hierauf ihren Fokus gelegt, wäre „Produces Reason“ ein richtiger Brecher geworden.

Die Realität ist, dass dieses Werk eine zweischneidige Klinge ist. Extrem generische Elemente, 08/15 und über weiter Strecke zumindest solides Material wechseln sich mit extrem starken, stilsicheren Momenten ab. Der gesamte Sound ist dabei zwar homogen, schwankt in qualitativer Hinsicht aber enorm. Viel zu oft bekommt der Hörer den Verdacht, dass die Musiker zwar genau wussten, wo sie hinwollten, mit sich aber kaum im Reinen waren und ihre Stärken einfach nicht kannten. Da Potential durchaus besteht, ist dies umso ärgerlicher. Beim nächsten Album sollten sich Sleep Of Monsters auf ihre Stärken besinnen: Atmosphäre, langsame und ruhige Nummern, anstatt wie eine Schülerband drauflos rocken zu wollen, die zum ersten Mal in ihrem Leben Type 0 Negative gehört hat. Bis dahin gibt es viel Licht, viel Schatten, vieles aus dem Baukasten und vieles, worauf gerade mal eingefleischte Fans abfahren sollten.

Anspieltipps:

  • Murder She Wrote
  • Christsonday
  • Horses Of The Sun

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