Andy Stott - Faith In Strangers - Cover
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Andy Stott Faith In Strangers


  • Label: Modern Love/Rough Trade
  • Laufzeit: 53 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Geduldiger Techno zwischen Natur und Maschine.

Auf seinem dritten Longplayer beweist Andy Stott wieder ein Händchen für die Fusion aus Techno und Ambient. Dieses Mal noch entschleunigter und mit einem größeren Ambient-Anteil als zuvor auf seinem 2012er-Album „Luxury Problems“. War er vor zwei Jahren noch stark von Noise und tropisch angehauchtem Drone beeinflusst, geht es dieses Mal maschineller und blecherner zu.

Zur Begrüßung ertönen raue, auf- und abwallende Hörner, die an mehrstimmigen Walgesang erinnern und filmische Bilder der Ozeantiefen beschwören. Das lange Intro mündet schließlich im zunächst ebenso flächigen „Violence“. Dessen gedämpfte Bläser, die klingen wie die angehauchten Münder von Bierflaschenhälsen, geben einen subtilen Beat vor, der den für Stott typischen klaren aber zerbrechlichen Frauenvocals viel Raum geben. Mit Einsatz metallischen Quietschens, Becken und krächzenden Basses mutiert der Track zu einem von Dubstep inspiriertem Marsch. Viele weitere kleine Elemente stelle Stotts Fähigkeit unter Beweis, vielschichtige Tracks kreieren zu können, die nicht überfordern.

„Hauchen“ ist so eine Beschreibung für „Faith In Strangers“, die immer wieder zutrifft. Einerseits bezeichnet es den weiblichen Gesang auf den Tracks, andererseits dient es als Beschreibung für einige der eingesetzten Soundelemente. Bei „On Oath“ schlagen seufzende Synthies die Brücke zwischen Zerbrechlichkeit des Gesangs und den sonst eher rauen, industriellen Soundelementen. Zudem werden hier wieder die Bilder aus „Time Away“ aufgerufen. Es klingt als hätte Stott den Geist in der Maschine vertonen wollen.

Doch das Cover lässt einen weiteren interpretativen Zugang zur Musik zu. Im Zentrum steht die steinerne exotische Plastik, die vor einem verschwommenen, zweidimensionalen Abbild einer Hochhausschlucht aufgestellt ist. Immer wieder kontrastiert Stott auf seinem dritten Album Naturverbundenheit mit den kalten Klängen der Industrie. Seien es die Frauen-Gesänge, Samples von Atemgeräuschen auf Future-Garage-Ästhetik („How It Was“) oder das Cello in „Missing“, einem Track der so auch aus Chelsea Wolfes Feder stammen könnte.

Angenehm poppig wird Andy Stott schließlich im Titeltrack „Faith In Strangers“. Quirlige, dünne Synthiefäden begleiten einen dumpfen Bass und Gitarrenzupfen, dazu ein verträumter Gesangspart einer der vielen ungenannten Sängerinnen, die auf dem Longplayer mitwirken. Dieser Pop ist neu von Andy Stott und so ist es durchaus erfrischend, einen zugänglicheren Ansatz von ihm zu erleben. Dennoch, von viel Innovation kann man nicht sprechen, auch der zuvor angesprochene Kontrast war auf „Luxury Problems“ schon von ihm thematisiert worden. Ein schönes Album, um es in entspannten Stunden im Hintergrund laufen zu lassen, ist es aber trotzdem.

Anspieltipps:

  • Violence
  • How It Was
  • No Surrender
  • Faith In Strangers

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