Primordial - Where Greater Men Have Fallen - Cover
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Primordial Where Greater Men Have Fallen


  • Label: Metal Blade/Sony Music
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Kompromisslose Härte wechselt sich mit bildschönen Klanglandschaften ab, die dennoch vor Aussichtslosigkeit zerbersten.

Primordial stehen seit jeher für authentischen Metal, der weder das große Drama, noch die erbarmungslose Kollision mit härteren Gangarten scheut. Auf diese Art und Weise haben sich Alan Averill Nemtheanga (Gesang), Ciaran MacUiliam (Gitarre), Michael O´Floinn (Gitarre), Paul MacAmlaigh (Bass) und Simon O´Laoghaire (Schlagzeug) über die Jahre eine stetig wachsende Fanbase erspielt, die mit dem großartigen Album „To The Nameless Dead“ (11/2007) einen kleinen Quantensprung vollzogen hat, weswegen die Band plötzlich in aller Munde war und als Headliner der Herzen fleißig sämtliche Festivals beackert hat, die mit der Mischung aus Black, Doom, Folk und Pagan Metal etwas anfangen konnten.

Nach einer bandinternen Umbaupause, die Drummer Simon geschuldet war, ging es mit dem ähnlich starken „Redemption At The Puritan´s Hand“ (04/2011) in gewohnt kompromissloser Erzählweise um das Verlassen der sterblichen Hülle als allgegenwärtiges Motiv des Lebens. Die dort verwendeten Zutaten Melancholie, Schmerz und Tod begleiten uns nun auch im achten Longplayer Primordials, der ein wenig von den Ausflügen Alans als Bathory-Gedächtnistruppe Twilight Of The Gods, die er gemeinsam mit namhaften Herrschaften wie Iscariah (Ex-Immortal), Nick Barker (Testament, Benediction, Ex-Dimmu Borgir), Blasphemer (Ex-Mayhem, Aura Noir) oder Patrik Lindgren (Thyrfing) bestreitet und deren Bemühungen letztes Jahr in das hörenswerte Debüt „Fire On The Mountain“ (09/2013) gipfelten, abbekommen hat.

Die dort dargebrachte Mischung aus frühen Manowar-Scheiben, Judas Priest-Attitüde und Quorthon-Gedächnisstimmung à la (Bathory) wurde logischerweise nicht eins zu eins übertragen, erfährt aber zumindest als Destillat des einen oder anderen Einflusses auf „Where Greater Men Have Fallen“ seine Rückkehr. So gibt es dann z.B. mit „The seed of tyrants“ ein blasphemisches und die Politik anprangerndes Black Metal-Lehrstück, dessen emotionale Radikalität nur durch den Text („If the church had one neck / I would wring it / If the state had one artery / I would sever it / Torches to the parliament of swine and Iron to the rights of fools”) übertroffen wird, während Alan in dem aufbrausenden „The alchemist´s head” in einer sagenhaft-eindringlichen Performance die Lyrics aus seinen Lungen presst, dass allein sein heiseres Gekrächze als Unterstreichung der Wut und Trauer zu Tränen rührt.

Nein, ruhiger oder nachlässiger sind die Iren auf keinen Fall geworden, sie schaffen es sogar, alte Tugenden wie eine langsam und andächtig heranrauschende Flutwelle, die in voller kathartischer Pracht über den Hörer hinwegrollt, physisch greifbar zu machen („Come the flood“), sorgen für ein unvergleichliches Mittendrin-Gefühl im vor Aussichtslosigkeit strotzenden Schlachtengetümmel, dessen unumstößliche Klimax die Einsicht „We are ready to die“ bedeutet („Where greater men have fallen“) oder schmieden ein trügerisch-versöhnliches Ende mit folkloristischer Unterlage, das ohne übermäßigen Pathos berührt und zum Denken anregt („Wield lightning to split the sun“).

Dazwischen legen Primordial einige der besten Riffs ihrer ganzen Karriere vor und beweisen mit dem überlangen „Born to night“, dass sie eine der wenigen Gruppen sind, die sich ein 3 1/2 Minuten langes Intro leisten können, ohne Schiffbruch zu erleiden oder Langeweile aufkommen zu lassen. Stattdessen zählt der Track zu einem der Höhepunkte der Platte, was vor allem an der zum Niederknien schönen Melodie liegt, die selbst nachdem die Nummer die Zielgerade überschritten hat, in den Ohren widerhallt. Kurzum: Alan und seine Mannen steuern mit „Where Greater Men Have Fallen“ nicht ansatzweise die Pension an (sollte das jemals jemand behauptet haben), das irische Fünfergespann befindet sich hingegen in der kompositorischen und qualitativ hochwertigsten Blütezeit ihrer Karriere.

Anspieltipps:

  • Born To Night
  • The Alchemist´s Head
  • Where Greater Men Have Fallen

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