Smashing Pumpkins - Monuments To An Elegy - Cover
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Smashing Pumpkins Monuments To An Elegy


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 33 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
7.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die „Teargarden By Kaleidyscope“-Reihe schlägt ihre letzten Häkchen.

Ob die Smashing Pumpkins jemals eine „richtige“ Band waren oder die Musiker, egal wie sie auch hießen, lediglich künstlerisch begabte, vertraglich angestellte Studio- und Live-Marionetten eines gewissen Billy Corgan (47) darstellten, kann auch heute, mehr als 20 Jahre nach dem Debütalbum „Gish“ (05/1991), lebhaft diskutiert werden. Fakt ist, dass Billy Corgan das Gehirn der Musik und Texte darstellt. Doch es sollte nicht unterschätzt werden, welchen Input D’arcy Wretzky (Bass), James Iha (Gitarre) und Jimmy Chamberlin (Drums) geleistet haben. Das wird deutlicher denn je, wenn man sich anschaut, was Mr. Corgan ohne das Trio mit stetig wechselnden Musikern als Solo-Act bzw. unter den Namen Zwan und The Smashing Pumpkins in den vergangenen 15 Jahren auf den Markt gebracht hat. Begeistern, wie in den 90er Jahren, konnte er damit nur noch selten.

Genie und Wahnsinn stehen bei Corgan traditionell dicht beieinander, doch mit der fehlenden Genialität der Alben aus den Neunzigern wurde es zunehmend schwerer, dem kahlköpfigen Meister zu folgen. So rief er im Jahr 2009 mit dem Projekt „Teargarden By Kaleidyscope“ einen Songzyklus aus insgesamt 44 Songs ins Leben, der im Laufe der kommenden Jahr erscheinen sollte. Richtig weit ist Billy Corgan damit bis jetzt nicht gekommen. Doch durch den Kunstgriff, im Rahmen des Projekts sogenannte „Album im Album”-Veröffentlichungen vorzunehmen, wird „Teargarden By Kaleidyscope“ am Leben erhalten. So erschien mit „Oceania“ (06/2012) ein regulärer neuer Longplayer der Smashing Pumpkins, der in den Zyklus integriert wurde, welcher mit dem für 2015 angekündigten „Day For Night“-Album und dem jetzt vorgelegten „Monuments To An Elegy“-Werk beschlossen werden soll. Im Übrigen wird die im Jahr 2011 begonnene Delux-Re-Issue-Reihe auch im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

Langweilig wird es den Fans der Pumpkins also kaum werden, auch wenn „Monuments To An Elegy“ mit einem guten halben Stündchen Musik und lediglich neun Tracks auf den ersten Blick enttäuscht. Doch irgendeinen Grund wird diese neue songdienliche Kompaktheit schon haben. So fällt zum Beispiel ein Track wie „Run2me“, in dem sich perlende Synthesizer-Klänge und ein stampfender Beat die Hand reichen, nicht zu sehr aus dem Rahmen. Dennoch: So poppig agierten die Smashing Pumpkins noch nie, auch wenn das Stück kompositorisch nicht mehr als eine inhaltsleere Seifenblase darstellt. In „Anaise!“ dagegen kopiert Corgan, der auf „Monuments To An Elegy“ auch den Bass übernahm, den berühmten Basslauf von Queens „Another one bites the dust“ und mit „Drum + fife“ lassen die Pumpkins etwas Achtziger-Wave auf Gothic-Pop prallen.

So wie Billy Corgan über den Tellerrand schaut, um sich zu inspirieren, so findet er auch im eigenen Schaffen immer wieder Anhaltspunkte, die sich in die neuen Stücke integrieren ließen. Mit „One and all“ gelingt dem 47-Jährigen dabei der wohl beste Anknüpfpunkt an die erfolgreichen 90er Jahre. Die Gitarren im Scorpions-Sound (!) schweben über einem dröhnenden Bass-Teppich, während der Gesang wie immer viel zu laut abgemischt wurde und ebenfalls mächtig nach vorne drückt. In eine ähnliche Kerbe schlägt noch das düster-atmosphärische „Tiberius“, während „Being beige“ eine dieser leicht windschiefen Mini-Epen darstellt, wie sie nur Billy Corgan schreiben kann.

Auf diese Weise finden sich auf „Monuments To An Elegy“, das Mötley-Crüe-Drummer Tommy Lee eingetrommelt hat, durchaus ein paar gute bis sehr gute Stücke, die aber dicht umzingelt sind von mittelprächtigen Nummern wie „Monuments“, „Dorian“, „Anti-hero“ und „Drum + fife“, was in Anbetracht der dünnen Quantität ein ziemliches Gewicht bekommt. Denn so sind natürlich keine Meisterwerke ausgestattet. Schade drum!

Anspieltipps:

  • Tiberius
  • Run2me
  • Being beige
  • One and all
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