Diverse - The Art Of McCartney - Cover
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Diverse The Art Of McCartney


  • Label: Arctic Poppy/Rough Trade
  • Laufzeit: 125 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein extrem aufwendiges Cover-Album mit elfjähriger Entstehungszeit. Am Ende bleibt ein Cover-Abum aber ein Cover-Album - und damit latent überflüssig.

Dass Paul McCartney (72) seit mehr als 50 Jahren, sei es bei den Beatles, Wings oder solo zu den bemerkenswertesten Songschreibern der Popgeschichte zählt, muss niemandem mehr erzählt werden. Dass seine Songs dadurch zu den am häufigsten gecoverten zählen, dürfte auch keinen verwundern. Dass sich aus beiden Tatsachen ein wunderbares Konzept für ein Album stricken lässt, dürfen wir nun erfahren.

Der große Beatles- und Paul-McCartney-Fan, Produzent, Komponist und Chef der Firma Bulletproof Entertainment, die sich auf Filme und Filmmusik spezialisiert hat, Ralph Sall, rief das Projekt „The Art Of McCartney“ ins Leben. Darin geht es Sall um die Würdigung des Schaffens von Sir Paul McCartney durch zahlreiche Musikerkollegen aller Couleur. Mit dieser Idee hätte es sich der in Los Angeles lebende Produzent des „The Art Of McCartney“-Tribute-Albums durchaus leicht machen können. Schließlich existieren unzählbare Coversongs von McCartney-Songs. Doch Ralph Sall ging die Sache anders an. Er fragte offiziell bei McCartneys Musikverlag an, holte sich den Segen des Meisters und seine Tourband ins Studio.

Damit hatte er absolute Kenner und Könner des Songmaterials zur Hand, das für „The Art Of McCartney“ komplett neu eingespielt wurde. Danach fragte Sall Dutzende Acts an, ob sie den Songs ihre Stimme leihen würden. Und schaut man sich die Tracklist und ihre Interpreten an, dann haben Paul McCartneys Kollegen dem Amerikaner die Bude eingerannt, um dabei zu sein. Dadurch sind 42 Songs in der Super-Luxus-Ausgabe und immerhin noch 34 in der Standardausgabe auf zwei CDs zusammengekommen, die von so unterschiedlichen Künstlern wie u.a. 5719,Alice Cooper, Steve Miller, Bob Dylan, Willie Nelson, Billy Joel, Yusuf, Kiss, Brian Wilson, Owl City, Jamie Cullum, Def Leppard, The Airborne Toxic Event und The Cure interpretiert werden.

Der ganze Prozess hat nach Angaben von Ralph Sall mehr als elf Jahre gedauert und ist eine echte Wundertüte geworden, der höchstens vorgeworfen werden kann, dass viele Songs zu dicht an den Originalen sind und im wahrsten Sinne des Wortes nachgespielt werden. So sind Kiss mit „Venus and Mars / Rock show“ im ersten Moment kaum wiederzuerkennen, so wie auch Def Leppard in „Helen wheels“ recht handzahm agieren und Chrissie Hynde „Let it be“ nicht gerade beseelt abspult. Ab und an ist dennoch Aufhorchen angesagt. Zum Beispiel wenn Billy Joel („Maybe I’m amazed“) und Roger Daltrey („Helter skelter“) wie Hirsche röhren, wenn Brian Wilson den Sound der späten Beach Boys mit „Wanderlust“ verknüpft oder wenn Willie Nelson „Yesterday“ als Country- und Folk-Version bis auf die Knochen auszieht. Und auch Owl City hat der Hörer in „Listen to what the man said“ so noch nicht gehört.

Grundsätzlich wird die Welt kaum auf dieses Coveralbum gewartet haben, auch wenn die Idee dahinter nicht schlecht ist und viel Mühe gemacht hat. Letztendlich kann aber keiner der Künstler wirklich etwas an den Originalen verbessern oder so eigenwillig gestalten, dass daraus ein echter Kaufzwang entsteht. Die Songs als solche sind freilich unantastbar und fester Bestandteil der Pop-Geschichte. Doch Cover-Alben sind nun mal mindestens so zwiespältig wie Live- und Best-Of-Werke – also meistens überflüssig.

Anspieltipps:

  • Jet
  • Let it be
  • Wanderlust
  • Helter skelter
  • Live and let die
  • Things we said today
  • The long and winding road
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