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Diverse Ten Cities


  • Label: Soundway/INDIGO
  • Laufzeit: 79 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Gebrüder Teichmann und das Goethe Institut initiieren den nächsten großen Handshake zwischen Afro-Beat und House.

Als die Gebrüder Teichmann, die kulturpolitischen Aushängeschilder des Electro-DJings, vor einigen Jahren zwischen Kenia und Deutschland ein interkulturelles Musikprojekt lancierten, gab es Lob und Preis. Und den Wunsch nach Vertiefung.

Wieder durch das Goethe Institut getragen, ist nun das Folgeprojekt Ten Cities fertig geworden. Insgesamt 50 Musiker, bei weitem nicht nur DJs, sondern Produzenten, Rapper, Instrumentalisten oder Sänger, aus den 10 Städten Nairobi, Lissabon, Luanda, Neapel, Bristol, Johannesburg, Kairo, Kiew, Lagos und Berlin wurden auf digitalen oder echten Wegen zusammengebracht, um sich von ihrer jeweiligen Musik gegenseitig beeinflussen zu lassen - elektronische Clubmusik aus den Großstädten Europas trifft auf den heterogenen Flickenteppich Namens Afro-Beat aus dem riesigen südlichen Nachbarkontinent.

Ein Projekt, von dem man sich nur wünschen kann, es möge Sogwirkung entfalten. Die Dominanz des elektronischen Minimal und seines 4/4-Takts in der europäischen Clubkultur steuert auf eine Sackgasse zu. Der Sampler „Ten Cities“, mit seiner unüberschaubaren Vielzahl an Akteuren, mag zwar nicht die intime Mächtigkeit eines Albums einer Band oder eines Protagonisten entfalten, er dient eher als Werkschau, was möglich wird, wenn sich kulturelle Einflüsse unmittelbar begegnen, einander Kompromisse abverlangen und Neugestaltung kreieren. Electro-Größen wie Daniel Snaith, weniger als Caribou als mit Daphni, oder Kieran Hebdan, aka Four Tet, mögen schon länger Afro-Beat-Strukturen in ihre technoiden House-Abenteuer amalgamieren, indes es bleiben die Sichtweisen weißer Männer auf Exotisches und nicht echter Kulturaustausch zwischen Europa und Afrika.

80 Minuten bezeugt „Ten Cities“ einen kraftvollen Versuch, afrikanische Rhythmisierungen aus Jazz, Rap und Folklore, sowie deren Gesangs- und Sprech-, sprich Rap-Parts mit den beatlastigen Strukturen des Electro zu vermengen. Nicht jeder Track mag ein Killer sein, „Khuchende Halala“, „Antere“, „Are You Coming With Us?“ und „Omode Mewa“ sind es aber unbedingt, doch tut dies dem Gesamturteil keinen Abbruch: Einen erfrischenderen elektronischen Horizonterweiterungsversuch hat das auslaufende Jahr kaum erlebt.

Anspieltipps:

  • Octa Push feat. Isaac - Khuchende Halala
  • Antere
  • Afrologic feat. Aremu, Temi Oyedele & Wura Samba - Omode Mewa
  • Pinch feat. Temi Oyedele - Are You Coming With Us?

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