Snotnosekids - This Is Snot´N´Roll - Cover
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Snotnosekids This Is Snot´N´Roll


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein krudes Werk zwischen Totalverweigerung und Totalverweigerung. Und genau das funktioniert.

Es gibt sie zum Glück doch noch: Kinder, die einfach nur asi sind. Kleine, fiese Bastarde, die auf dem Schulhof die Streber verkloppen und ihnen das Handy abziehen. Oder ABC-Schützen, die am Einschulungstag darauf verzichten, wie aus dem Ei gepellt in der Klasse zu erscheinen, sondern direkt klar machen, dass Mama und Papa versagt haben. Vielleicht sind die Musiker der Snotnosekids solche Kinder gewesen - falls nicht, wäre die Illusion aber einfach zu schön. Es würde doch so toll passen. Irgendwie passen die Ästhetik und auch der Bandname einfach zu der Vorstellung, irgendwie will man sich die Rotznasen und die Rotznasin doch so vorstellen. Dadurch, dass die Snotnosekids eher spärlich Informationen auf die Welt loslassen, ist jede noch so kleine Phantasie wohl legitim. Es reicht wahrscheinlich auch schon aus, zu wissen, dass sie ihr Debüt „This Is Snot'n'Roll“ in einer Liga mit dem „White Album“ der Beatles und dem „Black Album“ von Metallica sehen und dass die Band im Jahre 36 vor Christus in Bat Segeberg gegründet wurde - später übrigens unglücklicherweise in Bad Segeberg umbenannt. „Die Kassierer, was ist das eigentlich?“, fragten wir uns einst. Bei den Snotnosekids könnte es ähnlich sein.

Und sie spielen ebenfalls auf in Arsch Dur und Fick Moll. Auf ihrem Debüt „This Is Snot'n'Roll“ - übrigens das allererste Werk dieser Musikrichtung überhaupt (Oh Mann...) - beweisen sie es eindrucksvoll. Eindrucksvoll bedeutet an dieser Stelle sowohl gut als auch „Ich hatte die ja eigentlich nie irgendwie auf dem Schirm und auf einmal sind sie einfach da“ als auch „Die haben 'ne Asiatin als Frontfrau und es gibt nichts Besseres als eine rockende Asiatin“ als auch „Warum nerven die mich mit 'nem Intro, das 16 Sekunden lang ist?“ Mit dem folgenden „Mrs. Goodman“ (übrigens der Vorstellungs-Song der gleichnamigen Frontfrau) machen es die Kids zum Glück direkt wieder gut und vulkanisieren ihre Hörerschaft mit einem völlig abgefahrenen, extrem kruden …ja, was eigentlich? Punk Rock, Thrash Metal? Könnte hinkommen, es wirkt allerdings chaotisch und gleichermaßen irgendwie doch strukturiert, was an und für sich 'ne coole Sache ist, denn strukturiertes Chaos ist ja auch nicht so leicht zu erreichen - schon gar nicht, wenn es in Form eines Songs funktioniert.

Und dann? Die Masche wird beinhart durchgezogen. Ekelhafte Thrash-Salven treffen auf Punk und eigentlich so ziemlich alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Immerhin kauft man es den Kids ab. Konträr zu wutentbrannten Schlachtfesten wie „Protect & Serve“, „Beast Inside“ oder „Cut The Crap“ steht dann ganz plötzlich ein aberwitziger Kompilationsversuch in Form von „Praeteritum“, welches sich fast schon einen Spaß daraus macht, in drei Minuten so viele Ideen wie möglich unterzubringen. Wenn eine Komposition die Bezeichnung Avantgarde verdient hat, dann diese. Oder „Be My Bee“, was HGich.T in schlecht sein könnte. Ob nun genial oder total beschissen: Gerade, dass man die Kids nun lieben oder hassen kann, macht die Magie aus. Relativ gemäßigte Nummern wie „God Was Wrong“, das deutschsprachig eingesungene „Armer Paul“ oder „Final Day“ können das Gesamtbild dann irgendwie auch nicht mehr rumreißen, wobei gerade „Final Day“, mit gut sechs Minuten der Longtrack unter den Direkt-auf-die-Fresse-Nummern, viel Atmosphäre versprüht und dem Sound der Band noch mehr Nuancen gibt. Und die absolut gelungene Ballade „It Is You“? Irgendwie ein blinder Passagier.

Ja, es ist krass. Ja, es ist abgefahren. Ja, die Jungs und ihre Anführerin sind tatsächlich Rüpel. Und wenn sie dir erst mal den Poppes versohlt haben, weißt du eh nicht mehr, wo vorne und hinten ist. Fazit: Unser täglich Abfuck gib uns heute! Anders kann man es gar nicht ausdrücken. Generell ist dieses Album ein einziger Platzhirsch und so viel Spaß einige an ihm haben werden, so sehr werden es andere unendlich beschissen finden. Oh, und das wichtigste am Schluss: „This Is Snot'n'Roll“ erscheint als limitiertes, ultrafettes Comicbook, was eigentlich das große Verkaufsargument darstellt. Das Ding ist jedenfalls ziemlich wertig und echt gut gemacht. Woher haben die Kids als so junge Band überhaupt die Kohle? Das Album erscheint auch auf Vinyl im Metall-Cover aus 2x3mm ALMg22 Metall-Cover-Platten. Handmontiert. Woher haben die verdammten Kids als so junge Band die verdammte Kohle??? Wollen wir das überhaupt wissen? Egal - „This Is Snot'n'Roll“ ist eines der merkwürdigsten Alben des Jahres 2014 und wer seinen Horizont erweitern/sich total abschießen will, greift zu.

Anspieltipps:

  • Mrs. Goodman
  • Praeteritum
  • Final Day
  • Be My Bee
  • It Is You

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