Brett Newski - American Folk Armageddon - Cover
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Brett Newski American Folk Armageddon


  • Label: Make My Day Records
  • Laufzeit: 35 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Folk-Rock zwischen Violent Femmes und Jake Bugg!

Heutzutage ist es eher außergewöhnlich für einen amerikanischen Singer/Songwriter, sich in Asien niederzulassen. Brett Newski gibt hierzu selbst eine Erklärung ab: „2011 stand ich ohne Arbeit, ohne Band und ohne Freundin da und kaufte mir schließlich ein One-Way-Ticket nach Bangkok, wo ich sechs Monate lang herumstreunte und in schäbigen, provisorischen Studios in den Bergen von Thailand, Vietnam, Hong Kong und den Philippinen aufnahm. Ich fühlte mich verloren und fuhr auf einem 100 Dollar-Motorroller nach Saigon. Dort schrieb ich Musik für Tampon-Werbung und der Creative Director nannte mich ‚The Vagina King of Vietnam‘.“

Glücklicherweise schrieb Brett Newski danach an die 100 Folk-Songs. Die Folge waren zwei Alben in zwei Jahren und mehr als 200 Konzerttermine, die ihn durch Europa, Australien und Südafrika führten. Selbst während dieser ausufernden Bühnenauftritte fand er noch Zeit, neue Lieder zu schreiben über „süße Siege, vernichtende Niederlagen, vergängliche Freiheit, meinen Freund zu verlieren und meinen Arsch zu retten“, wie Newski auf schnoddrige Art preisgibt.

Schnoddrig, scheppernd und im DIY-Stil sind auch jene neuen Songs, denen er den Albumtitel „American Folk Armageddon“ verpasste. Der Opener „Dirt“ klingt, als gelte es, Jake Bugg mit dem frühen Beck zu vermählen. Andere assoziieren ihn mit Frank Turner, Chuck Ragan, Ben Kweller, Johnny Cash, Billy Bragg und Violent Femmes. Letztegenannter Vergleich ergibt am meisten Sinn, denn Newskis Zungenschlag hat Ähnlichkeit mit der nasal-flehenden Stimme Gordon Ganos. Auch rhythmisch und melodisch wird in die Richtung jener großartigen Folk-Punk-Band musiziert, die ihre beste Zeit in den 80er-Jahren hatte.

Die trockenen, humorlos geschlagenen Drums, der dumpf-hüpfende Bass, das Eindreschen auf die Akustikgitarre und wie gesagt Newskis Stimme, lassen einen von Song zu Song immer mehr an Violent Femmes denken. Hierbei kommen einem auch Ezra Furman und Saintseneca in den Sinn, bei denen auch Elemente der Femmes herauszuhören sind. Brett Newski jedoch kommt dem famosen Trio am nächsten mit seinem „American Folk Armageddon“, wobei er den Zeitgeist vor allem des Debüts der Femmes nicht eingefangen hat.

Naturgemäß ein Ding der Unmöglichkeit und dennoch schwingt und spukt der Spirit dieses Rock-Klassikers in seinen elf Songs mit. Aber Titeln wie „Add It Up“, „Kiss Off“ oder „Prove My Love“ kann er (noch) nicht das Wasser reichen. Dennoch: Der Mann ist auf dem richtigen Weg, um sich zeitlich und stilistisch zwischen Violent Femmes und Jake Bugg zu platzieren! Als Fazit und Analogie zu diesem Album ziert ein weiteres Zitat des Künstlers den Schluss: „Ich weiß, dass es ein Licht am Ende des Tunnels gibt... aber dann wiederum... manchmal ist dieses Licht am Ende des Tunnels ein Zug.“

Anspieltipps:

  • Dirt
  • No Anchor
  • I Want My Best Friend Back
  • We Are All Fucked

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