Beyoncé - Beyoncé (Platinum Edition) - Cover
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Beyoncé Beyoncé (Platinum Edition)


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 95 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Beyoncés überraschender Stilwechsel aus dem vergangenen Jahr, nun noch einmal als luxuriöses Fan-Paket.

Es war die späte Überraschung im Musikjahr 2013: Beyoncé Knowles (33) veröffentlichte ohne vorherige Ankündigung am 13. Dezember über iTunes ihr neues Studioalbum, das auf den schlichten Titel „Beyoncé“ getauft wurde, und fuhr damit die Auszeichnung des sich am schnellsten verkaufenden Albums in der iTunes-Geschichte ein. Eine knappe Woche später, vier Tage vor Weihnachten, erschien „Beyoncé“ dann auch als herkömmliche CD, sodass sich die Fans der Diva auch noch etwas Handfestes unter den Weihnachtsbaum legen konnten. Ein knappes Jahr später wiederholt sich das Schauspiel.

Vier Wochen vor Weihnachten wird „Beyoncé“ noch einmal in die Läden gewuchtet. Das fünfte Studioalbum der 33-Jährigen wurde dazu in eine stabile Papp-Box gesteckt und um reichlich Bonusmaterial ergänzt. Neben dem Originalalbum tummeln sich auf zwei DVDs 17 Videoclips und zehn Live-Songs der gemeinsamen „Mrs. Carter Show“-Welttournee von Beyoncé und Jay-Z. Dazu kommt eine zweite CD mit zwei neuen und vier Remix-Songs. Die Bild- und Tonträger werden begleitet von einem nett bebilderten Mini-Kalender für das Jahr 2015 und zwei Booklets (also für jede CD eines).

Während die Bonus-CD mit ihren Remix-Versionen und lediglich zwei neuen Stücken, die wahrlich keine Bäume ausreißen können, als alleiniger Bonus für den Re-Release des Ursprungswerk vermutlich zu wenig und eine erneute DVD-Veröffentlichung zu viel des Guten gewesen wäre, packte das Label kurzerhand alles zusammen in eine kleine Kiste und fordert die Fans damit heraus, das „Beyoncé“-Album nochmals zu kaufen, um in den Genuss der Boni zu gelangen. Ein altes Spielchen, das alle Erstkäufer benachteiligt. Hier fängt wieder einmal nur der späte Vogel den extra-dicken Wurm.

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Die ursprüngliche Besprechung: Da hat sich die gute Beyoncé (32) in Sachen Marketing ganz bestimmt etwas bei ihrem Ehe- und erfolgreichen Geschäftsmann Jay-Z (44) abgeschaut, der sein letztes Studioalbum „Magna Carta Holy Grail” (07/2013) für ein paar Milliönchen an die Firma Samsung verhökerte, damit die es ihren Smartphone-Kunden exklusiv vor dem offiziellen Verkaufsstart als Download anbieten konnte. Frau Knowles-Carter hat sich für ihr neues, schlicht „Beyoncé“ betiteltes Werk einen vergleichbaren Marketing-Gag ausgedacht. Sie stellte es am 13. Dezember 2013 völlig ohne Vorankündigung und Promotion via iTunes ins Internet und löste damit einen Run aus, der „Beyoncé“ zum schnellstverkauften Album in der iTunes-Geschichte machte.

Mit 828.773 abgesetzten Einheiten in nur drei Tagen erreichte es den ersten Platz der Album-Charts in 104 Ländern und bescherte den Fans und Medien in einem nicht sonderlich aufregenden Musikjahr wenigstens noch einen letzten Mini-Höhepunkt, der eine Woche nach dem digitalen Release auch noch ganz altmodisch in CD-Form auf den Markt gebracht wird. Ganz und gar nicht antiquiert ist dagegen die Musik, die Beyoncé in den 14 Tracks zusammen mit Kollaborateuren wie Timbaland, Justin Timberlake, Pharrell, Frank Ocean, Drake und Jay-Z auf die Beine gestellt hat.

Weit über eine Stunde lang präsentiert die 32-Jährige Songs, die sich deutlich von den bombastischen Pop- und R&B-Ergüssen ihrer letzten Alben hinfort bewegen. Passend zum minimalistisch-kühlen Cover des Albums, ist Beyoncé hörbar um Anschluss an aktuelle Gerne-Trends bemüht. Dies äußerst sich in betont schwülstiger Erotik („Haunted“, „Superpower“), düsteren R&B-Sounds im Stile von The Weeknd und Janelle Monáe („Drunk in love“), elektronisch gefärbten R&B-Klängen im Fahrwasser von Nicki Minaj („***Flawless“) und 70er-Jahre-inspirierten Soul-Funk-Tracks („Blow“).

Aus dem daraus resultierenden Konzept entwickelt sich ein Album, das auffällig oft mit vertonten Sex-Geständnissen à la Prince („Rocket“) und R. Kelly („No angel“) daherkommt und nicht mit expliziter Lyrik geizt. Wir lernen daraus, dass Beyoncé spätestens seit ihrer Ehe mit Jay-Z nicht mehr das liebe kleine Mädchen aus Texas ist, sondern es faustdick hinter den Ohren hat und genau weiß, wie man den Drachen eines Gangsta-Rappers steigen lässt.

Weil Beyoncé nicht so klingt wie auf ihren vorherigen Alben, mag ihr fünftes Werk für den einen oder anderen Hörer experimentell anmuten. Aber nachdem „4“ (06/2011) alles andere als ein Volltreffer war, ist dieser mutige Schritt genau der richtige, auch wenn „Beyoncé“ ein paar Hördurchgänge benötigt, um seine ganze Wirkung zu entfalten. Doch das ist allemal besser als ein Longplayer, der mit zwei Hits um die Ecke kommt und ansonsten nur Füllmaterial enthält.

Anspieltipps:

  • Blow
  • Jealous
  • Haunted
  • Blow (Remix)
  • Superpower
  • Pretty hurts
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