Noctiferia - Pax - Cover
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Noctiferia Pax


  • Label: Saol/H'ART
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Osteuropäer balkanisieren erfolgreich diverse Subgenres.

Der Underground in Osteuropa kocht ja bekanntlich regelrecht. Noctiferia aus der slowenischen Hauptstadt Ljubljana bilden da keine Ausnahme, wobei der Begriff „Underground“ wohl ein wenig vermessen wäre. Der große internationale Durchbruch lässt zwar noch auf sich warten, in ihrer Heimat sind die Industrial-Metaller und Genre-Jongleure jedoch eine feste Größe. Nach anderthalb Jahrzehnten Bandbestehen ist dies auch kein Wunder. Vielleicht kriegen Noctiferia durch das Signing bei SAOL endlich eine Plattform, welche ihnen den langersehnten Erfolg bescheren wird. Da ihr „Pax“ durchaus viele Hörer ansprechen dürfte und es europaweit erscheint, sollte der Erfolg zumindest in greifbarerer Nähe sein als damals. Prestigeträchtige Aufträge mit Genreanführern und das eine oder andere Stelldichein auf Festivals zeigten bereits, dass bei Noctiferia einiges zu holen ist.

Dass die Slowenen aber getreu des Albumtitels Frieden mit sich selbst schließen, ist eher unwahrscheinlich. Stattdessen torkeln sie mit einem Genre-Drogencocktail in der Hand durch ihr fünftes Studiowerk. In 15 Jahren Bandgeschichte haben sie genug Erfahrung sammeln können und seit jeher auch gerne mit der musikalischen Ausrichtung gespielt, was nun auf logische Art und Weise zusammenkommt und das klangliche Erscheinungsbild von „Pax“ bestimmt. Ein fast durchgängiger Todesblei-Einschlag trifft auf opulente Arrangements mit Ohrwurmcharakter, hypnotische Dunkelheit, erdigen Rock und letztendlich auf osteuropäischen Extreme-Underground und die slowenische Industrial-Schule - selbst das Cover-Artwork will seine alles überstrahlende Laibach-Ästhetik nicht verleugnen. Ja, „Pax“ hat einiges zu bieten und es ist der Band hoch anzurechnen, dass sich das Album recht homogen anhört und trotz zahlreicher Einflüsse einen Focus auf das Wesentliche besitzt. Deswegen funktionieren Kompositionen wie „Sleeper Is Awake“, „Gaga People“, „The Falsifier“ und „Wetiko“. Beinhart, jedoch auf eine faszinierende Art und Weise massentauglich, schlagen Noctiferia hier eine Brücke zwischen dem Genreliebhaber und Otto Normal - sofern dieser keine Aversion gegen eine gesunde Portion Härte hat. In der Metal-Disse würde sich so mancher Song jedenfalls gut machen.

Kontraste setzen die sechs Musiker dann mit dem atmosphärisch aufgeplusterten „Su Maha Ghora“, dem abgründigen, sich fast in Doom-Gefilde hinunter wirbelnden „I Am You“ oder „Barai“, welches als Schlusslicht nochmal die zahlreichen Einflüsse Noctiferias zusammenkommen lässt. Opulenz und stellenweise sogar Technical Death geben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Gerade die aufgezählten Tracks geben der prinzipiell recht sicheren Vorgehensweise der zügigeren Nummern ein nicht zu unterschätzendes Gegengewicht. Die zwei Seiten auf „Pax“ machen das Werk letzten Endes interessant und spannend, was durchaus dafür sorgen könnte, dass sowohl Freunde von Industrial als auch solche von schmissigem, unbekümmertem Death ihren Spaß haben sollten. Die vielen musikalischen Einfälle werden in einem attraktiven Rahmen präsentiert, was „Pax“ gut tut und nicht kalkuliert klingen lässt. So können Noctiferia wunderbar experimentieren, ohne sich dabei untreu zu werden, und so können sie auch gerne weiter machen!

Anspieltipps:

  • The Falsifier
  • Su Maha Ghora
  • I Am You
  • Barai

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