Heino - Schwarz Blüht Der Enzian - Cover
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Heino Schwarz Blüht Der Enzian


  • Label: Starwatch/Sony Music
  • Laufzeit: 43 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein Sänger ertappt sich selbst: „Was fällt denn diesem Heino ein, wie kann er es nur wagen?!“

Auf dem Papier las sich die Idee durchaus reizvoll: Schlager- und Volksmusikstar Heino (76) covert populäre Pop- und Rocksongs von Bands wie Rammstein, Sportfreunde Stiller, Die Ärzte und den Fantastischen Vier. Wenn das nicht für einen Aufschrei in der sonst so lethargischen deutschen Musikszene sorgen sollte, was dann? Und siehe da, nach über 50 Millionen verkauften Tonträgern in fünf Dekaden, wurde „Mit freundlichen Grüßen“ (02/2013) tatsächlich Heinos erste Nummer eins in den deutschen Longplay-Charts und erhielt für mehr als 250.000 verkaufte Einheiten Platin.

Dass es sich Heino dabei mit dem einen oder anderen der ungefragt gecoverten Kollegen (für die Verwendung unveränderten Liedgutes genügt die Anmeldung der Coverversion bei der GEMA) verdarb (oder war die Schlacht mit Rammstein und den Ärzten in der Presse nur genial geplantes Kalkül?) und in der Realität die „Kunst“ nur daraus bestand, Heinos markante Stimme mit dem rollenden R über mehr oder weniger eins zu eins nachgespielte Lieder zu legen, hinterließ einen schalen Nachgeschmack. Am Ende siegte der Kommerz über die Kunst und lässt nun folgen, was zu erwarten war: Eine Fortsetzung von Heinos Karriere als, ähem, Rocker.

Die Idee dahinter lautet so: Man nehme ein Bündel der bekanntesten Heino-Lieder und interpretiere diese als Rocksongs neu. Unglaublich, dass da vorher noch niemand drauf gekommen ist. Tja, und nun blüht der Enzian plötzlich in schwarz und nicht mehr in blau. Passend dazu wurde das 40 Jahre alte Titellied in ein metallisches Rammstein-Gewand gesteckt, was zumindest als kurzzeitige Party-Belustigung durchaus funktioniert. Ebenso erheiternd ist das kleine Versteckspiel, das Heino und sein Team mit dem Hörer treiben, sprich: zu erraten, welche Bands sie sich bei den verschiedenen Stücken zum musikalischen Vorbild genommen haben.

So lassen sich mit etwas Fantasie u.a. The White Stripes („Rosamunde“), OOMPH! und Santiano („Wir lagen vor Madagaskar“), Enya meets Andreas Gabalier („Jenseits des Tales“), AC/DC („La Paloma) und Die Toten Hosen („Hoch auf dem gelben Wagen“) neben den diversen Rammstein-Verweisen („Einer von uns“) erkennen. Keine Frage, das ist handwerklich perfekt produzierte Musik - für den Einsatz im Bierzelt. Allerdings auch seelenlos bis in die letzte Ritze durchkalkuliert. Und so ist „Schwarz blüht der Enzian“ genau wie „Mit freundlichen Grüßen“ ein maximal einmaliges A-ha-Erlebnis, das zwei Songs lang Spaß macht und dann „wie heiße Luft verpufft“. Denn die Original-Kompositionen sind nie dazu erdacht worden, in Heavy-Metal- und Hardrock-Korsette gezwängt zu werden. Das hört man den mühsam zurechtgebogenen Neueinspielungen in jeder Note an. Spaß war hier gewiss nicht das oberste Gebot, sondern Geld verdienen und vielleicht ein letztes Mal Aufmerksamkeit erregen.

Anspieltipps:

  • Rosamunde
  • Einer von uns
  • Die schwarze Barbara
  • Schwarz blüht der Enzian
  • Schwarzbraun ist die Haselnuss

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