Olli Schulz - Feelings Aus Der Asche - Cover
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Olli Schulz Feelings Aus Der Asche


  • Label: Trocadero/INDIGO
  • Laufzeit: 36 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Inzwischen ist es Programm, dass Olli Schulz ernst sein möchte. Jemand sollte mal ein ernstes Wort mit ihm wechseln.

Olli Schulz bleibt sich treu. Wer seine Alben genau unter die Lupe nimmt, der merkt allerdings auch, dass die vermeintlichen Veränderungen bei Schulz tatsächlich nur marginal sind. Jedes Mal erwarten die Leute wieder ein lustiges „Hi-Hi-Ha-Ha-Ho-Ho“-Album mit viel Witz und wenig Ernsthaftigkeit. Diese Fassade wird allerdings durch seine öffentliche Persona aufrecht gehalten. Olli Schulz geniert sich in der Öffentlichkeit nicht, was oft und gerne zu Lachern führt. Wenn der Wahl-Berliner aus Hamburg jedoch Musik macht, ist er seit Jahren ein recht ernster Zeitgenosse. Das hat in der Regel überrascht, sorgt auf dem bereits schwach betitelten „Feelings Aus Der Asche“ allerdings in erster Regel für Ermüdungserscheinungen.

Ende Dezember durften TV-Zuschauer bereits artig „Als Musik Noch Richtig Groß War“ bestaunen, nur dass der Teil mit dem Staunen nicht sonderlich groß ausfiel. Der erste Gedanke bei solch melanchoptimistischen Tracks geht derzeit und immer noch Richtung Madsen. Die Alltagsgefühle um Liebe („Mann Im Regen“), Leben („So Muss Es Beginnen“) und Musik (eben dieses „Als Musik Noch Richtig Groß War“) beschreibt Olli Schulz auf der Textebene souverän, jedoch keinesfalls seines sonstigen Einfallsreichtums entsprechend. „So Muss Es Beginnen“ will das Album richtig lostreten, doch beschriebene Madsen und auch die Eifel-Jungs von Jupiter Jones haben in der jüngeren Vergangenheit mit Abstrichen gezeigt, wie Rock mit Pop-Allüren besser klingen kann.

Das große Problem von „Feelings Aus Der Asche“ scheint zu sein, dass Schulz musikalisch nicht aus sich herausgehen möchte. Er trennt seine abstrusen Momente klar von konventionellen Titeln, so dass „Boogieman“ etwas verloren zwischen Sprechgesang in „Passt Schon!“ und dem Radio-Sound eines „Als Musik Noch Richtig Groß War“ untergeht. Und „Dschungel“ kommt beinahe einem Störgeräusch gleich, welches der Hörer solange wegdenkt, bis es nach 90 Sekunden auch schon wieder vorbei ist. Irgendetwas will uns Schulz damit gewiss sagen und so mancher Fan-Experte wird die Texte aufs Podest stellen wollen. Die Musik drumherum ist jedoch leider unumgänglich langweilig und unzusammenhängend geraten.

Am Ende rettet „Feelings Aus Der Asche“ nur, wer der Verantwortliche dieses musikalischen Stolpersteins ist, Olli Schulz hat schließlich den besagten Stein im Brett seiner Zuhörer und gewinnt, durchaus verdient, Sympathien durch sein Auftreten. Doch es wird Zeit sich zu vergegenwärtigen, dass die Musik nicht wiedergibt, wen die meisten als Olli Schulz zu kennen meinen. „Feelings Aus der Asche“ ist eine zahnlose Blaupause eines Künstlers geworden, der derzeitig nicht wirklich weiß, was und viel wichtiger wie er es erzählen möchte.

Anspieltipps:

  • Passt Schon!
  • Als Musik Noch Richtig Groß War
  • So Muss Es Beginnen

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