Justin Townes Earle - Absent Fathers - Cover
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Justin Townes Earle Absent Fathers


  • Label: Loose Music/Rough Trade
  • Laufzeit: 32 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
10/10 Leserwertung Stimme ab!

Americana ist auch mehr ein Kunstbegriff, der oftmals die schützende Schale für todgenudelten Country abgeben muss.

„Es könnt' alles so einfach sein“, klingt im Kopf in Herbert Grönemeyers gepresster Stimme an, wenn die halbe Stunde auf „Absent Fathers“ verklungen ist. Da ist dieser Musiker, der bekanntlich amerikanischen Folk und Country lebt und sich nicht dafür verstellen muss. Doch wie so oft ist Begeisterung alleine nicht genug. Es muss auch etwas Talent her und schon auf „Single Mothers“ zeigte sich, dass Justin Townes Earle öfters Löcher stopfen muss. Das ist bei einer halben Stunde jedoch ein großes Problem. Für das neue Album sogar ein noch größeres, da kein erkennbarer Schritt nach vorne gemacht werden konnte und Earle sich in friedvoller Belanglosigkeit zu verlieren scheint.

Dabei ringt das Album ab der Hälfte der Spielzeit damit, dass Earle sich auf alte und weiterhin umstrittene Tugenden verlässt. Die Slide-Gitarren ziehen Töne weiter wie Kaugummi durch den Kopf-Saloon und wenn der Gesang dann auf Schmerz und Leiden gepolt wird, ist die Kartoffel auch schon geschält. Nach einem erfreulich gut gelungenen Auftakt mit „Farther From Me“ und „Least I Got The Blues“ verliert sich das Album in unglaubwürdigen Heul-Arien. Sei es „When The One You Love Loses Faith“ oder auch „Someone Will Pay“: Hörer kaufen dem Sänger ansonsten eine Menge ab, doch nicht einmal bittersüße Momente kommen während der zweiten Hälfte des Albums auf.

Während so mancher Fan von den schmerzlichen und pointierten Alltagsbeschreibungen in großen Country-Songs spricht, hören andere nur Wolfsgeheul. Doch selbst wenn dieser Krieg der Geschmäcker ausgeblendet wird, muss anerkannt werden, dass der Schmerz und die tiefen Gefühle viele dieser Lieder tragen und nicht die Musik. Bei Earle geht auf einem Großteil des Albums beides verloren. Ob es nun daran liegt, dass der noch recht frisch verheiratete Mann immer noch so glücklich ist und deswegen gar keinen Grund für Trauer hat, sei einfach mal dahingestellt. Fakt ist, dass „Absent Fathers“ sich selbst etwas vormacht und mit leeren Worten weder Gehörgänge noch Herzen füllen können wird.

Anspieltipps:

  • Farther From You
  • Least I Got The Blues
  • Call Ya Momma

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