Marilyn Manson - The Pale Emperor - Cover
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Marilyn Manson The Pale Emperor


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 52 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Einst stand Marilyn Manson für Angst und Schrecken, heute nur noch für die Verwaltung seiner eigenen Legende.

Dadurch, dass Marilyn Manson (46) in den vergangenen Jahren künstlerisch etwas ins Schlingern kam und sich vermehrt um die Schauspielerei kümmerte, hat er von seiner gefühlten Gefährlichkeit eine Menge eingebüßt. „The High End Of Low” (05/2009) war Mansons bisheriger Tiefpunkt, das darauffolgende „Born Villain” (04/2012) nur eine halbherzige Wiedergutmachung. Deshalb ist „The Pale Emperor”, das inzwischen neunte Studiowerk des Schock-Rockers, ein richtungsweisendes Album, das darüber entscheiden könnte, ob Brian Warner alias Marilyn Manson noch genügend Relevanz besitzt, um ganz oben in den Charts und in der Gunst des Hörers mitzumischen.

Es ist also Zeit, etwas zu tun. Und nicht ohne Grund wird Marilyn Manson seine Band um den Musiker, Produzenten und Soundtrack-Komponisten Tyler Bates („Guardians Of The Galaxy”, „Darkest Hour”, „Conan”, „Halloween”, „300”) verstärkt haben. Dieser soll den ehemals so düsteren Sound zwischen Industrial-, Glam- und Hardrock wieder in Bahnen lenken, die zu mehr als 50 Millionen verkauften Alben geführt haben. Aber kann das mit einem Kompagnon gelingen, der in der Welt der Filmmusik zuhause ist? Der Opener „Killing strangers“ sagt schon mal deutlich nein! Denn der mit einem verschleppten Beat, stoisch im Midtempo verharrenden Rhythmen, zurückhaltendem Gitarreneinsatz und einem mit angezogener Handbremse am Mikrophon agierenden Marilyn Manson ausgestattete Track, kommt über den Status eines auf 5½ Minuten Spielzeit aufgeblasenen Intros nicht hinaus.

Die Angst, die Marilyn Manson mit seinem geflüsterten Gesang in dem Stück verbreiten möchte, kommt beim Hörer deshalb nur bedingt an. Wesentlich besser macht es da schon Track Nummer zwei. „Deep six“ steigt tief in den Industrial-Keller hinab, nimmt nach einer halben Minute so richtig Fahrt auf und bollert anschließend mit schneidenden Rammstein-Riffs durch die Botanik. Okay, ein wenig vorhersehbar ist dieses Konzept schon, aber der Spaßfaktor ist wesentlich höher als bei „Killing strangers“. Dennoch fällt schon hier auf, dass sich Marilyn Manson stark an seinen Highlights aus den 90er und Nullerjahren orientiert.

Dabei fallen Stücke wie „Third day of a seven day binge“, „The Mephistopheles of Los Angeles” oder auch „Birds of hell awaiting” zwar wie typische Marilyn-Manson-Songs aus, lassen aber trotzdem den letzten Biss vermissen, während „Warship my wreck“ zumindest etwas Opulenz und Dramatik mitbringt, allerdings ohne zu brillieren. Und damit sind wir auch schon bei der Quintessenz von „The Pale Emperor“: Marilyn Manson und sein neuer Sidekick Tyler Bates versuchen so zu klingen, wie es auf Alben wie z.B. „The Golden Age Of Grotesque“ (05/2003) oder auch „Mechanical Animals“ (09/1998) der Fall war, legen dabei aber nicht dieselbe Konsequenz an den Tag. Deshalb ist „The Pale Emperor“ lediglich ein lauer Aufguss, der sich mit den Großtaten in der Geschichte von Marilyn Manson nicht messen kann und nur noch die Marke und den Kult aus vergangenen Zeiten verwaltet.

Anspieltipps:

  • Deep six
  • Cupied carries a gun
  • Birds of hell awaiting
  • The devil beneath my feet
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