Deichkind - Niveau Weshalb Warum - Cover
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Deichkind Niveau Weshalb Warum


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Der, Die, Das! Wer, Wie, Was? Niveau Weshalb Warum? Wer nich fragt bleibt dumm!

Seid ihr bereit für dadaistische Textkreationen, partytaugliche Rhythmen und elektronisches Gefrickel? Dann seid ihr bereit für Porky, Kryptic Joe und Ferris Hilton alias Deichkind, die mit ihrem sechsten Album „Niveau weshalb warum“ einen erneuten Frontalangriff auf die Synapsen des Hörers starten und auf dem Weg zu ihrem Ziel keine Gefangenen machen werden. Liebe oder hasse es. Gehe nicht über Los und ziehe keine 4.000 Euro ein. Willkommen in einem Paralleluniversum, in dem Intelligenz und Dummheit, Wahnsinn und Realitätsnähe so dicht beieinander liegen, dass Kritiker einfach kapitulieren müssen.

Dabei tun Deichkind ihren Ur-Fans erst einmal einen überraschenden Gefallen, indem sie im Opener „So’ne Musik“ so dicht an ihre HipHop-Wurzeln zurückkehren, wie sie es seit „Noch fünf Minuten Mutti“ (09/2002) nicht mehr waren. Dazu drücken die Beats tief in die Magengrube des Hörers und verleihen dem elektronischen Geballer und den plakativen Parolen im Text fast schon einen Old-School-Touch. Auch „Denken Sie groß“ streift noch ein wenig in HipHop-Gefilden umher, nimmt aber schon deutlicher Kurs auf die Elektro-Keulen, die noch kommen sollen.

Apropos Parolen. „Like mich am Arsch“ ist natürlich schon im Titel großartig. Doch auch inhaltlich ist die gesellschaftskritische Anti-Social-Media-Breitseite so dicht am Zeitgeist und in den Kinderzimmern (hi, hi, hi) präsent, dass man fürchten muss, die Hamburger wollen es sich mit ihren Fans verderben. Dass die Deichkind-Protagonisten selbst bereits Ende 30, Anfang 40 sind, zeigt sich im Track „Powered by Emotion“, in dem nervige Werbesprüche längst vergangener Zeiten zitiert und durch den Dadaismus-Kakao gezogen werden.

„Porzellan und Elefanten“ mäandert anfangs irgendwo zwischen David Guetta und Robin Schulz und greift inhaltlich ebenfalls eine plakativ gestaltete Rückschau auf die Vergangenheit auf, während „Was habt ihr?“ als Dancefloor-Smasher genauso taugt, wie als Ballermann-Hit. „Der Flohmarkt“ segelt dicht am 80er-Jahre-Hit „Bakerman“ von Laid Back vorbei und in „Naschfuchs“ wird Verfressenheit proklamiert, bis im wahrsten Sinne des Wortes der Arzt kommt. Scheiß auf Diabetes! Haribo for Life. Candy gegen Kummer. Popcorn gegen Panik.

Die Welt von Deichkind ist eine komische. Der Konsument muss sie nicht immer verstehen und auch nicht kritiklos abfeiern. Er muss aber anerkennen, dass die Band ihren vertonten Irrsinn aus Musik und Text immer weiter perfektioniert hat und inzwischen als Alleinstellungsmerkmal besitzt. Allein das sollte genügen, um „Niveau weshalb warum“ zum Hit werden zu lassen.

Anspieltipps:

  • So’ne Musik
  • Was habt ihr?
  • Der Flohmarkt
  • Die Welt ist fertig
  • Mehr als lebensgefährlich
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