La Confianza - Trotzdem! - Cover
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La Confianza Trotzdem!


  • Label: SPV Recordings
  • Laufzeit: 41 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Sprechgesang versucht weiter, die neue deutsche Rocklandschaft zu erobern.

Immer schön seriös, bitte. La Confianzas Devise ist recht offensichtlich. Von der grauen und melancholisch nachdenklichen Aufmachung von Album und Webseite, über den wütenden Rock, der den mehr gesprochenen und manchmal sogar gerappten Text auf „Trotzdem!“. Es ist an allen Ecken deutlich, dass das Quartett Botschaften vermitteln möchten. Mal sind diese ganz ohne Interpretation zu verstehen („Stillstand“) und dann wird aber auch doch gerne immer wieder zu vielen Metaphern gegriffen („Falkenflug“).

Im Hintergrund steht jedoch immer eine gewisse Wut, die manchmal merkwürdig optimistisch anklingt, ob nun der „Stillstand“ beklagt oder das Verständnis von „Zeitgeist“ und Individualität untersucht wird. Wenn die Band jedoch wie in „Zeitgeist“ die eigenen Botschaften in Hymnen zu verpacken begreift, begreifen Hörer die Texte nicht nur. Die durchaus ausgefeilten und mit der Sprache spielenden Texte brauchen eine gewisse Art von Melodie, die nicht einfach nur abstößt. Natürlich will ein „Mehr“ genau diesen Effekt erzielen, doch viel zu oft erscheint das Album ungewollt unnahbar. Das wird besonders in Bezug auf besagtes „Zeitgeist“ und auch den abschließenden Titeltrack offenbar.

Sobald nämlich Liebe oder alltägliche und weniger politische und gesellschaftliche Aspekte aufgegriffen werden, stößt das Album die Hörer ab. „Löschpapier“ ist eine Liebesgeschichte, die gar nicht an Hörer herangehen kann. Zu kalt, zu ernst und zu weit vom Text weg bewegt sich die Band. Aber gleichzeitig fällt es ihr schwer, weichere Gangarten zu finden. Das zeigt sich am laschen „Melodie“, welches zu den ganz stark ausgelutschten Feuerzeugnummern gehört. So berechnend sind sonst nur die ganz hart auf Erfolg getrimmten Alben, was nicht zu den sonstigen, rauen Tönen dieses Albums passt.

La Confianza wissen auf „Trotzdem!“ nicht so recht, wie sie sich präsentieren wollen. Mal hart, dann soft, kurz darauf banal und gleich wieder episch mit großen Worten und selbst griechischen Sagen. Wen will diese Band erreichen und wen möchte sie einen? Wofür und für wen stehen „Zusammen“, „Zeitgeist“ und „Trümmerparadies“? Lehnen wir „Mehr“ ab? Sollen wir denn nicht zu dieser Musik abgehen? Viele Fragen stellen sich und nicht nur die Antworten fehlen. Oftmals fehlt auch schon die deutliche Vision der Band, die ein inhaltlich durchaus gewichtiges Album tragen muss. So klingt alles zu oft nach Breitband-Rock des letzten Jahrzehnts, welcher aber neben aller Größe und Härte regelmäßig die dazugehörigen Stimmungen auf der Strecke lässt.

Anspieltipps:

  • Stillstand
  • Zeitgeist
  • Trotzdem

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