Bob Dylan - Shadows In The Night - Cover
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Bob Dylan Shadows In The Night


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Bob Dylan covert Lieder aus dem „Great American Songbook“.

Dylans Sinatra-Coveralbum? Momentchen, was da so Twitter-gerecht durch den Medien-Äther geistert, stimmt so nicht ganz. Gut, es sind alles Songs, die auch Sinatra performt hat, auf des Meisters 36. Studioalbum „Shadows In The Night“, aber zuallererst sind es Stücke aus dem „Great American Songbook“, jenem losen Liederkanon aus den USA, der die klassische Popmusik-Phase zwischen den Dreißigern und Sechzigern des 20. Jahrhunderts meint, die gute alte Zeit also, bevor der Rock’n’Roll kam, sah und siegte.

Songs, die so oft gecovert und interpretiert wurden und vor so langer Zeit von längst vergangenen Stückeschreibern geschrieben wurden, dass sie im Grunde frei sind. Und im Pop-Sinne sehr klassisch. Es war ja nicht zuletzt Dylan, der mit den Waffen des Folk, der Lyrik und eines neuen, sich emanzipierenden politischen Bewusstseins, tatkräftig mithalf, diese alte Epoche der US-amerikanischen Unterhaltungsmusik zu begraben. Like a Rolling Stone.

Bis heute ist ein nicht unerheblicher Teil der Anhängerschaft des ewigen Literaturnobelpreisanwärters diesem Traditionsbruch verpflichtet. Wo ist die Rebellion, wo die Freiheit in diesem verstaubten Fünfzigerjahre-Singsang, fragen jene. Entsprechend reagierten viele Anhänger in den sozialen Netzwerken kritisch bis feindselig, nach dem Motto: Dylan macht Sinatra? Das beißt sich, ist Verrat. Ganz zu schweigen von der Kratzigkeit des ewigen Anti-Sängers, der es en vogue machte, Töne nicht richtig halten zu müssen.

Doch hier nun singt Dylan plötzlich, mit Hingabe und Fragilität. Das ist tatsächlich irritierend, aber hat man die ersten Durchgänge hinter sich, muss man konstatieren: Auch den klassischen Song kann Dylan. Leider ist ein bisschen zu wenig los auf „Shadows In The Night“, es fehlt tatsächlich das belebende Element, das der Rock in die Popwelt brachte: der pathetische Höhepunkt, das Solo. Dylan musiziert hier mit einer fünfköpfigen Band aus der Zeit gefallen schön, aber monoton. Ein echtes Studioalbum ersetzt seine Coverausflüge nicht, auch wenn er immer für Überraschungen gut bleibt.

Anspieltipps:

  • The Night We Called It A Day
  • Some Enchanted Evening

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